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Schöner untergehen

8. März 2012

Endlich! – Endlich wissen wir, wie man mit Stil untergeht. Das rätseln um einen würdigen Abgang ist vorbei und wird gelöst von einem Deodorant, wofür nunmehr an jeder Ecke geworben wird: «Mach das Beste daraus!» steht da geschrieben. Und im dazugehörigen Werbespot soll der Protagonist eine Arche bauen für sich und verschiedene schönen Frauen, von jedem Haartyp eine. Nein, Sie sollten den diesjährigen Beitrag für die 3. Säule noch nicht einzahlen.

Apropos schöne Frauen: Nicht einmal Uriella – die Mutter aller Weltuntgergangs-Prophezeihungen – hat den Mann von heute auf diesen Duft aufmerksam gemacht (böse Zungen behaupten sogar, Frau Fiat Lux rieche ein bisschen streng). Vom Sprachrohr Gottes sollte man doch einen Tipp für den Krieg gegen die Transpiration erwarten dürfen. Alles muss man selber machen. Gerade bei wichtigen Themen wie Apokalypsen sollte unsereins mit guten Ratschlägen versorgt sein. Wer will schon stinken wenn die Sonne für immer untergeht?

Also, liebe Männer, falls Sie Ihren Badezimmerschrank noch nicht mit dem Duft der Düfte beglückt haben: Deo kaufen und dieses Jahr möglichst viele Frauen flachlegen. Aber bitte mit Stil, sonst … – ach, was soll’s. Im Dezember ist sowieso alles vorbei!

2012 – Die Welt geht unter. Der Kinobesucher auch.

17. November 2009

Neulich einen Fehler gemacht. Ins Kino gegangen, 2012 gucken. Im Gegensatz zu den wohlbekannten Weltuntergangs-Filmen wie z.B. „The Day after Tomorrow“ ist 2012 nicht schlecht. Sondern sehr schlecht. Abgrundtief. Aber eins nach dem anderen: in 3 Jahren wird also die Erde untergehen, so wie das ein paar Urvölker prophezeiht haben. Dank einer grossen Sonneneruption erwärmt sich das Erdinnere so ungeschickt, dass es zu Plattenverschiebungen kommt. Und tatsächlich werden während des Films Platten verschoben, dass jeder Star-DJ vor Neid erblassen würde. Durch die Geschichte führt natürlich ein rechtschaffener, amerikanischer Familienvater und stellt emotional die Weichen für ein paar dramatische Szenen Marke „Kinder in Gefahr“ und diesem Plunder. Grosses Plus: Die Special Effects sind absolut spitzenmässig gemacht. Wenn sich tiefe Risse durch die Oberfläche ziehen oder ganze Städte untergehen, das sieht schon super aus (hätte man auch mit Basel machen können, ohne Tricks). Leider bleiben die ausserordentlich guten Spezialeffekte das einzige Plus dieses Blockbusters. Angenehm anders als bei anderen Weltkaputtfilmen erscheint, dass unser Planet diesmal von den Chinesen gerettet wird und nicht von den USA. In China werden nämlich riesige – übrigens ebenfalls fantastisch animierte – Archen gebaut, die ein paar Tausend Menschen und Tiere retten werden (also, das Know how für die Schiffe stammte selbstverständlich schon von dem Amerikanern. So gute Qualitäten haben die Chinesen nicht). Gegen Ende des Films wird denn auch der ganze Planet überflutet – ausser der Sonderfall Schweiz natürlich. Wer Klischees mag, kommt ohnehin voll auf seine Kosten: Ein russischer Oligarch mit seinen zwei feisten Kindern hat sich für 1 Mrd. Euro ein Ticket für die Arche gekauft, wobei er seine blutjunge, blonde Freundin zurücklassen wird (es stellt sich – oh Schreck! – heraus, dass er diese Freundin genötigt hatte, sich eine Brustvergrösserung machen zu lassen – auf seine Kosten). Das von Hollywood vielfach eingesetzte, klassische Quotenpüppchen allerdings wird dem anspruchsvollen Männerauge vorenthalten. Mit einem weiteren Rekordversuch kann 2012 dafür auftrumpfen: Dialoge sind mit einer bewundernswerten Konsequenz unterirdisch banal geführt. Das wird die gehörlosen Kinofreunde freuen. Oje, meine Ohren vernehmen schon die urban-intellektuellen Cinéasten, die sich gerne sagen hören „Du musst den Film eben in Originalsprache Englisch ansehen. Das ist besser wegen der Dialoge und der Jokes“. Klar, mein Fehler. Wegen der Tschoucks. Über weite Strecken glänzt 2012 hervorragend mit unfreiwilligem Humor. Zur Benotung: Wir geben eine satte 6. Für das Pop Corn. Der Film kriegt eine 2 mit Rückenwind. Es gibt bestimmt schlimmeres, als sich das anzusehen. Aber nicht in diesem Leben.