Archive for the ‘Tatsachen & Meinungen’ Category

Mann über Bord!

30. September 2017

Zwei Matrosen stehen an der Reling. Sie befinden sich auf offener See. Da entdeckt der eine Matrose eine Person im Wasser, die mit beiden Armen winkt und um Hilfe schreit.

Matrose 1: Hey, sieh dort, einer ist über Bord gegangen

Matrose 2: (ruft) Mann über Bord! Mann über Bord!

Matrose 1: Wirf ihm einen Rettungsring zu!

Matrose 2: Es sind keine da. Du, guck dir das an, das ist unser Kapitän! Unser Kapitän ist über Bord gegangen!

Kapitän: Hilfe, Hilfe!

Matrose 1: Du musst reinspringen und ihn retten!

Matrose 2: Das Wasser ist eiskalt. Das schaffe ich nicht. Spring du!

Matrose 1: Wenn wir ihn nicht retten, sind wir alle verloren. Wir können das Schiff ohne ihn nicht steuern!

Matrose 2: Also, mach schon, spring rein und rette ihn!

Matrose 1: Ha, damit du sicher an Land zurückkommst, soll ich meine Gesundheit riskieren?

Kapitän: Hilfe, helft mir!

Matrose 2: Wir alle sind verloren, wenn wir ihn nicht retten!

Matrose 1: Dann spring doch du rein.

Matrose 2: Ruf den Ersten Offizier. Der soll ihn rausholen.

Matrose 1: Dafür ist keine Zeit. Ausserdem kann der nicht schwimmen.

Kapitän: Helft mir, ich ertrinke! Hilfe!

Matrose 2: Wir sollten die Maschinen stoppen, sonst entfernt sich unser Schiff immer weiter.

Matrose 1: Spring! Spring endlich!

Matrose 2: Siehst du ihn noch? Ich kann ihn nicht mehr sehen!

Matrose 1: Ich kann ihn auch nicht mehr sehen. Wir sind verloren.

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Guten Appetit!

20. Juli 2017

Gegessen wird immer. Daher sind alle Geschäftsmodelle, die von Gastronomie handeln sehr, sehr erfolgsversprechend (ähnlich wie Klopapier). Für jeden Bewohner einer Industrienation ist es ergo äusserst ratsam, einmal im Leben den Traum vom eigenen Restaurant zu verwirklichen. Wir sind unseres Glückes eigen Schmid, wie der Volksmund so schön sagt, und wenn das Wirten einmal keinen Spass mehr machen sollte kann man das Lokal ja immer noch verkaufen, mit Gewinn. Der Volksmund ist übrigens doof.

Jeder kann es schaffen, selbst jene, die bis anhin glaubten, Kulinarik sei eine Inselgruppe vor dem Golf von Mexiko. Es ist alles so einfach: Eine Lokalität mit Küche und einem Gästeraum, ein bisschen die Kelle schwingen und die Bude brummt. Für das Startkapital können wir ja unsere Pensionskasse verpfänden. Oder bei Freunden etwas Kleingeld leihen. Diese freuen sich ja dann auch am Restaurant und zack: Eine Win-Win-Situation. Soll noch einer sagen, dieses Land biete keine Perspektive für die Selbständigkeit. Win-Win-Situationen werden immer beliebter.

Man muss nur rechnen können. Wenn sich schon nur jede Person des eigenen Freundeskreises einmal pro Woche in unserem Restaurant verpflegt, dann … ja, dann hat es immer ein paar Leute. Aber das Beste kommt noch: Jeder erzählt mindestens fünf seiner eigenen Freunde, dass er bei uns sehr, sehr gut gegessen hat. In den sozialen Medien nennt man das «virale Verbreitung», hat jedoch nichts mit Salmonellen gemein. Abgesehen davon: Die Leute vom Internet müssen ja auch einmal etwas essen.

Wenn der Laden erstmal läuft, dann kann sich der Chef auch ab und an zu seinen Gästen setzen und einen Schwatz abhalten (ausser er verweilt gerade im Urlaub). Ja, das ist ein Privileg der Selbständigkeit: Man kann tun uns lassen, was man für richtig hält. Im Grunde ist jeder bekloppt, der sich bei einer Unternehmung einstellen lässt. Das ist ja die vollkommene Fremdbestimmung, da können Sie genauso gut … – oh, entschuldigen Sie, ich muss Schluss machen. Sie wissen schon: Volles Haus!

So krank!

4. Dezember 2016

Terrorangst wo man hinschaut, und jetzt das: «Die Kosten des Gesundheitswesens explodieren». Einfach schrecklich! Wobei, warten Sie, wenn etwas explodiert, dann ist es nachher weg, oder? Da soll noch jemand den Überblick behalten. Dem geneigten Leser drängt sich natürlich die Frage auf, was das für ein Wesen sein muss, dieses Gesundheitswesen. Offenbar ein teures. Jedenfalls kein bescheidenes.

Das Problem sind die Versicherten, also die Menschen (genau, gäbe es keine Menschen, dann wäre ein Grossteil der Probleme dieser Welt gelöst). Wissen Sie, das System einer Versicherung ist ja schnell erklärt. Eine Vielzahl an Menschen zahlen in einen grossen Topf ein und diejenigen, die Hilfe benötigen, erhalten aus diesem Topf Geld. Und diejenigen, die glauben, Hilfe zu benötigen, natürlich auch. So funktioniert Solidarität.

Geld heilt natürlich nicht. Die Mittel fliessen an Menschen und Einrichtungen, die den Bedürftigen professionell helfen. Wer gute Hilfe haben möchte, muss viel Geld bezahlen. Wir können nicht ein Fahrrad bezahlen und einen Porsche dafür kriegen. Damit ist auch der Anstieg der Krankenkassen-Prämien erklärt. Parallel zu deren Anstieg ist die Qualität des Gesundheitswesens kontinuierlich gestiegen. Jeder, der kürzlich in einem öffentlichen Spital gepflegt worden ist, würde uns das unterschreiben (sofern er noch lebt).

Qualität hat eben ihren Preis. Einen ähnlichen Mechanismus lässt sich bei der Schweizer Armee beobachten. Diese kostet ziemlich viel, einverstanden. Doch der Erfolg gibt ihr Recht. Die moderne Schweiz hat noch keinen einzigen Krieg verloren, nicht einmal einen Weltkrieg. Weitere Beispiele sind das öffentlich-rechtliche Fernsehen, Mobilfunkgebühren, Silikonbrüste und Parkplatzgebühren (ok, erwischt, das Beispiel Parkplatzgebühren haben wir reingeschmuggelt).

Darum sollten wir nicht lamentieren, wenn uns die Krankenkasse unseres Vertrauens die schön verpackte Botschaft vermittelt, dass wir uns 2017 noch solidarischer zeigen dürfen und die Prämien – Überraschung! – noch einmal steigen. Nein, viel eher sollten wir uns auf die nächste Krankheit freuen, um in den Genuss des nun noch besseren Gesundheitswesens zu kommen. Es lohnt sich! Die heutige Schulmedizin ist derart hochentwickelt und innovativ, die diagnostiziert Ihnen Krankheiten, die es noch gar nicht gibt. Also freuen wir uns. Denn Freude ist doch auch etwas Schönes, oder?

Weg damit!

4. Januar 2016

Wenn eine Papierserviette sprechen könnte, dann würde sie vermutlich sagen «Wirf mich nicht weg, bitte, bitte». Das ist verständlich. Als sogenanntes Einweg-Produkt hat man ständig den Tod vor Augen, ja, versetzen wir uns doch kurz in die Lage einer Papierserviette, einer Drei-lagigen: Den Grossteil des Lebens verbringen wir in der Packung mit unseren Geschwistern, dann werden wir aus dem trauten Heim gerissen, kurz benutzt und fortgeschmissen. Ausgenutzt. Es ist traurig.

Alles ist irgendwann Abfall. Ein Wegwerf-Artikel wird eben sofort weggeworfen, meistens nach ein paar Minuten Nutzung. Es gibt sogenannt gut situierte Menschen, die benutzen ein T-Shirt nur einmal und werfen es dann weg. Das ist kein Witz. Würden das alle Menschen tun, wären vermutlich achtzig Prozent der Landfläche von Bangladesch mit Kleiderfabriken zubetoniert. Und selbst Erwachsene müssten dort mit anpacken. Es soll Leute geben, die kaufen ein neues Auto, wenn der Aschenbecher voll ist. Aber lassen wir das.

Im Universum der Wegwerf-Mentalität haben Zigaretten einen Sonderstatus: Sie werden ja nur zum Teil weggeworfen, als Stummel. Der Rest verbrennt und die dabei entstehenden Substanzen werden einerseits in die Atmosphäre gepustet und bleiben anderseits am (oder: im) Konsumenten hängen. Diese Aussage hört man oft von Stefan Meierhans, dem nationalen Preisüberwacher: Es bleibt viel zu viel am Konsumenten hängen. Rauchen schadet übrigens nur jenen Menschen, die den grossen Warnhinweis auf der Packung lesen und verstehen.

Viele Dinge – nicht nur Zigarettenstummel – werden in der modernen Gesellschaft mit einer schicken Handbewegung auf der Strasse entsorgt. Die Fachwelt spricht hierbei von Littering, was ganz dumm ist, uns jedoch nicht vom Wesentlichen abhalten soll: Abfall auf der Strasse schafft nicht nur Arbeitsplätze, nein, es sieht auch gut aus. Bunt. Ein Kontrast auf dem öden Asphalt. Dennoch diskutiert die Politik über Strafen für Littering, über neue Beiträge zur Gesetzesflut. Es ist nicht zum Aushalten. Bald werden Bäume gebüsst, die ihre Blätter fallen lassen.

So, das war’s für heute. Werfen Sie diesen Text ruhig weg, irgendwohin, aus den Augen. Sie brauchen ihn ja nicht mehr. Schade eigentlich, dass Wegwerf-Produkte diesen Artikel nicht lesen können. Die würden sich vermutlich wegschmeissen vor Lachen.

Geile Weihnachten

6. Dezember 2015

Sie müssen aufpassen, was Sie sagen. – Oder besser: Welche Worte Sie wählen. Preissenkungen zu Ihren Gunsten werden sehr schnell zu «Anpassungen der Produktepalette», die in hundert von hundert Fällen nicht unbedingt zu Ihrem Vorteil ausfallen. Ich bin doch nicht blöd. – Oder doch, ein bisschen vielleicht? Bei einer guten Wortwahl braucht das Kleingedruckte nicht mehr klein gedruckt zu werden. Es ist Kunst.

Weihnachten steht vor der Tür (oh ja, schon jetzt, schauen Sie nach!) und bereits heute freuen sich unsere mit Liebe erfüllten Herzen auf Slogans wie «So billig war Weihnachten noch nie» oder «so viel X-Mas für so wenig Geld». Ja, wir sind alle ein bisschen gaga. Das Unwort 2016 soll – das ist mein ausdrücklicher Wunsch – bitte, lieber Weihnachtsmann, «Weihnachten» sein, weil kein anderer Begriff so dramatisch überstrapaziert worden ist. Das ist voll Porno.

Worte sind wie Kleider: Jeder kleidet sich, wie es ihm beliebt. Der «Spaziergang willkürlicher Zerstörung durch Halbstarke» zum Beispiel ist von den Organisatoren vollkommen falsch getauft worden, denn – Hand aufs Herz – wer will schon aus persönlichem Frust sinnlos Dinge anderer zerstören? Der Name «Antifaschistischer Abendspaziergang» trifft es eher, denn gegen Faschismus sind wir doch alle, oder?

Ganz so schlimm ist die gegenwärtige Situation natürlich nicht. Nein, wir können der Vergewaltigung der Worte sogar etwas Gutes abgewinnen, je nach Perspektive. Je mehr sinnfreie Phrasen wir benutzen, desto weniger schlimm ist es, wenn man uns das Wort um Mund umdreht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, dass Sie sich so gut ausdrücken können wie ich meine Pickel. Und: Frohe Weihnachten!

Denken Sie gross!

2. Januar 2015

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen: In hundert Jahren wird die Schweiz nicht grösser sein als heute. Dafür sind die Eidgenossen viel zu wenig imperialistisch. Zu engstirnig. Eine Vielzahl an Politiker predigt ständig von Öffnung und davon, dass man über den Tellerrand hinaus denken soll. Sobald es darum geht, dass die Schweiz ein anderes Land erobert, kneifen sie. Da können wir uns eine Scheibe von den Amerikanern abschneiden. 

In hundert Jahren kann viel passieren, innen- und aussenpolitisch. Die Innenpolitiker werden sich immer heftiger zerstreiten mit den Aussenpolitikern, weil der Platz im Land immer knapper wird und die Aussenpolitiker keinen Plan haben, welches andere Land man erobern könnte. Es soll ja nicht irgendein Land sein, sondern eines mit viel Platz, viel Sonne und allen Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung der Kehrichtsack-Gebühren. Zum Beispiel Indonesien. 

Dafür müsste Helvetien natürlich die Neutralität ausser Kraft setzen, temporär. So wie im zweiten Weltkrieg. Damit tun sich die Aussenpolitiker immer noch schwer, denn die Begriffe «Neutralität» und «Souveränität» müssen an der Politikerprüfung zirka tausend Mal skandiert werden, bei minus zehn Grad auf dem Sustenpass, mit fünfhundert Gramm Raclette im Mund. Das steckt in den Köpfen. 

Aus militärischer Sicht würde sich ein möglichst nahe gelegenes Land anbieten, weil die Stärken der Schweizer Luftwaffe auch in hundert Jahren noch vornehmlich am Boden zu finden sind. Die Grünen würden sich für Österreich aussprechen, weil der Treibstoffverbrauch für die Eroberung minimal gehalten werden kann und «die immer so nett sind». Deutschland würde insofern Sinn machen, weil die meisten Deutschen in der Schweiz arbeiten. 

Es kann natürlich auch umgekehrt herauskommen. Wenn wir Pech haben, dann wird die Schweiz innerhalb der nächsten hundert Jahren von den USA erobert. Wenn wir Glück haben, von China. Aber vielleicht, vielleicht wird sie weder grösser noch kleiner, sondern bleibt in den nächsten hundert Jahren einfach gleich wie heute.

Die anderen

28. November 2013

Toleranz beginnt mit dem Klingeln des Weckers in den frühen Morgenstunden (für Studenten: gegen Mittag). Der Gutemorgenkuss fällt kurz aus, denn er riecht nach allem Erdenklichen ausser nach Pfefferminze. Fachleute nennen den Geruch angeblich «Mundstuhl». Seit den planerischen Höchstleistungen der Schweizerischen Bundesbahnen ist Mundstuhl neu auch in logistisch suboptimal ausgelasteten S-Bahnen erhältlich. Gratis. Zähneputzen? – Fehlanzeige! Mobiltelefone ermöglichen die effiziente Verteilung der verschiedenen Nuancen im Fahrgastbereich (leider gibt es noch kein Smart Phone mit einer entsprechenden Fukushima-Ausdünstungs-App).

Angekommen am Arbeitsplatz tolerieren wir frisch und fröhlich weiter. Kollege Rashid verzehrt über Mittag genüsslich sein Bombay-Curry, dessen Geruch den Verputz von den Wänden bröckeln lässt und jegliche Hirntätigkeit ohne Gedanken an Erkrankungen der Atemwege während zirka drei Stunden verunmöglicht. Nicht wenige wünschen sich sodann einen anderen Beruf, zum Beispiel Astronaut oder Leuchtturmwärter auf einer einsamen Insel. Oder Kanalisations-Arbeiter.

Mehr noch: Der amerikanische Mitarbeiter Mr. Noise am anderen Ende des Grossraumbüros brüllt in seinem breiten Kaugummi-Englisch derart laut ins Telefon, als ob man ihn auch so ennet dem Teich hören müsste (und vermutlich auch hört). Awesome! Nach einem solchen Arbeitstag nehmen Sie den Presslufthammer an der Baustelle nebenan als angenehmes, sanftes Rauschen wahr. Als eine Art Liftmusik.

Es geht weiter: Die Praktikantin furzt (leise aber effektiv), der interne Postbote fragt bei jeder Tour, ob der Herr Meier auf diesem Stockwerk arbeite (hat vor drei Jahren gekündigt) und Kamerad X geht partout nie ans Telefon (können ja die anderen machen). Aber wir sind ja tolerant.

Alle haben eben ihre Macken. – Ausser wir selber natürlich nicht. So aus Spass könnten wir ja mal bei den Kollegen nachfragen, was sie an uns nervt. Wobei: Das würde arrogant wirken, irgendwie. Kommt ja eh nichts dabei raus und bringt nur Unruhe ins Büro. Also ob sich Superman bei der Pilotenschule einschreiben würde.

Da ist der Wurm drin

26. Oktober 2013

Sie kennen das: Sie legen ein bisschen Obst in eine Schale und stellen diese auf den Küchentisch. Dann geschieht ein Wunder, mitten in Ihrer Küche: Abrakadabra, plötzlich kreisen Fruchtfliegen um das Obst. Aufgetaucht aus dem Nichts. Die sind überall. Ein Phänomen. Die einzigen lokalisierten Wesen direkt neben dem geschmolzenen Reaktor in Fukushima sollen angeblich Fruchtfliegen gewesen sein.

Stellen Sie sich vor, andere Lebewesen würden ebenfalls urplötzlich auftauchen, einfach so. – Zack, und ein Faultier liegt auf Ihrem Sofa (keine Analogien, liebe Damen!). Oder auf einmal sitzen ein paar Kamele im Bundeshaus. Oder eine Raubkatze spaziert in Ihrem Bad herum, wie in diesem Film da, diesem … – egal, irgendwas mit überhängend. Nein, angenehm wäre das nicht. Und bis anhin – wir schreiben das einundzwanzigste Jahrhundert – hat uns niemand so richtig plausibel erklären können, wie die Fruchtfliegen auf unser Obst kommen.

Einmal wollte mir so ein Biologe weismachen, dass – und jetzt wird’s richtig abstrus – die klitzekleinen Eier dieser Viecher bereits auf dem Obst sind, wenn wir dieses aus einem dieser dümmlichen Plastikkistchen im Einkaufsladen nehmen. Stellen Sie sich das einmal vor! Die Brut von unappetitlichem Ungeziefer auf unseren teuren Lebensmitteln! Sie, liebe Leserin, lieber Leser, werden soeben Zeuge eines neuen Skandals von unüberschaubarem Ausmass.

Na ja, bewiesen ist natürlich gar nichts. Man soll ja nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Selbst Biologen kann man nicht immer trauen (sogar unter Vegetariern gibt es schwarze Schafe – und umgekehrt). Fragt man jedenfalls höflich nach am Gemüseregal, weiss niemand der Belegschaft etwas von Eiern und Fliegen. Als Mann kann es schon mal passieren, dass man höflich aber bestimmt nach draussen begleitet wird, nachdem man einer Verkäuferin Dinge von Melonen, Äpfeln und Eiern versucht hat zu erklären. Ignoranz wird gross geschrieben.

Jedenfalls lohnt es sich als verantwortungsvoller Konsument allemal, bis zur Klärung dieses Umstandes vollkommen auf Obst und Gemüse zu verzichten. Oder wer nicht ganz verzichten kann (sogenannt Süchtige), einfach eine halbe Stunde in siedendem Wasser kochen (also, das Gemüse, nicht die Süchtigen). Bei Tiefkühlgemüse soll das Problem der Fruchtfliegen übrigens weitgehend unbekannt sein. Vereinzelt wurden herumfliegende Schneeflocken um die auftauende Gemüsepackung gemeldet. Mojito on the rocks.

Das Bundesamt für Gesundheit gibt Entwarnung, weshalb wir davon ausgehen können, in wenigen Monaten an verseuchten Lebensmitteln zu sterben. – So, wie es die Natur vermutlich vorgesehen hat: Der Triumph der Fruchtfliege über den Menschen. Amen.

Jein

12. Juni 2013

Höchste Zeit für ein bisschen Fremdenfeindlichkeit. Schliesslich stimmen die Abstimmbürgerinnen und Abstimmbürger (kurz: Idioten) bald über die Änderung des Asylgesetzes ab. Das ist dringend. Inzwischen bricht nämlich der arabische Sommer an, und im Herbst fallen die ersten faulen Äpfel von den Bäumen. Nach diesem wunderschönen Einstieg – der absolut keinen Sinn macht – schnurstracks zum Thema: Was sollen Herr und Frau Eidgenosse in die Urne werfen? Keine einfache Frage, denn es sind eine Reihe von Halb-, Falsch- und Ganzinformationen im Umlauf.

Hand in Hand mit der Abstimmung geht natürlich die Frage, wie sich der pflichtbewusste Bürger denn fundiert informieren soll. Viele verlassen sich auf die einseitigen Berichte dieser (mehrseitigen) Gratiszeitungen, nicht wenige finden selbst dafür keine Zeit und fast niemand glaubt diesbezüglich jemandem, der nicht er selbst ist. Jeder zweite Tag werden Berichte publiziert über kriminelle Tunesier und Algerier, hauptsächlich in den Zweitageszeitungen. Bis heute ist kein einziger – nicht einmal ein klitzekleiner – Artikel erschienen über kriminelle Schweizer in Tunesien. Oder über algerische Gefängnisse, die mit Schweizer Schelmen überfüllt sind.

Nein, es ist ständig von Scheininvaliden, Scheinehen, Scheinasylanten und Kriminaltouristen die Rede, von Wirtschaftsflüchtlingen, die Schein-Asylanträge stellen, von echten Flüchtlingen, die gefälschte Papiere auf sich tragen, von gefälschten Flüchtlingen … – äh, genau, der bekennende Laie findet sich in diesem Wirrwarr gar nicht mehr zurecht. Das ist unrecht: Am meisten leiden die Scheinkriminellen darunter. Ach ja, dies ist übrigens ein Scheintext, aus juristischen Gründen.

Zu recht appellieren viele Kreise – zuweilen auch Agronomen (Fachjargon: Kornkreise) – für eine differenziertere Berichterstattung in den Medien. Die meisten Menschenrechts-Organisationen zum Beispiel dementieren, dass alle Tunesier in der Migros Diebstähle begehen. Und sie haben recht. In Tunesien gibt es keine Migros. Amnesty International ist so unglaublich international, dass man am liebsten alle Pässe der Welt einsammeln und willkürlich wieder verteilen würde. Man stelle sich das vor. Auf einen Schlag sind Sie Chinese. Und der Brenner steht am Gotthard.

Jedenfalls lohnt es sich, vor der Abstimmung genauer hinzuschauen und nicht einfach eine subjektive Entscheidung zu treffen, nur weil man zum Beispiel in den letzen zwei Monaten drei Mal von einem Asylbewerber überfallen worden ist. Es gibt nämlich sehr, sehr viele Einwohner in diesem Land, denen das nicht passiert ist. Am weitaus schlimmsten dürfte uns die Ironie wohl treffen, wenn wir nach der Abstimmung auf dem Weg nach Hause überfallen und ausgeraubt werden. – Von einem Schweizer. Also, von einem eingebürgerten natürlich.

Könnte sein

11. März 2013

Diese Abstimmung ist ja mehr oder minder verwirrend: Wenn Sie gegen die Abzocker-Initiative sind, dann können Sie sich immer noch für den Gegenvorschlag entscheiden. Also ja oder nein? Am Dagegensten sind Sie allemal, wenn Sie sowohl die Initiative als auch den Gegenvorschlag ablehnen. Das grenzt an Rebellion. Nicht wenige wünschten sich, sie könnten ein klares «Vielleicht» in die Urne legen.

Es wird ja auch viel geschrieben in diesem Abstimmungskampf, geschweige denn gelesen: Vom Casino-Kapitalismus bis zum Casino-Sozialismus, von Managern, die nicht arbeiten, bis zu Arbeiter, die das nicht managen. – Alle haben irgendetwas zu sagen zum Thema Ungerechtigkeit, weil ja jeder betroffen ist. Direkt. Ungerechtigkeit ist sozusagen populär geworden.

Was nicht selten vergessen geht: Wenn sich jene zum Thema äussern, die schlicht keine Ahnung von nichts haben, dann ist das ungerecht gegenüber jenen, die eigentlich etwas davon verstehen würden, jedoch dadurch nicht zu Worte kommen. Tatsachen und Meinungen. Ein Gemisch. Manche reden auch nur, weil die Luft gratis ist.

Und genau das haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, den Kampf gegen die ungerechte Verteilung der Worte, die uns an den Abgrund treiben wird. Oder sogar noch einen Schritt weiter. Wir kämpfen dafür, dass in der Politik nur noch das gesagt wird, was auch nur annähernd Sinn macht. Als erstes wird in einem Pilotprojekt die Herbstsession auf einen Tag gekürzt.

Aber dies ist nur der Anfang unseres linguistischen Klassenkampfes, wir machen weiter, unermüdlich. Kampf der Casino-Phrasendrescherei! Gegen die Silben-Abzockerei! Nieder mit den Worthülsen! Und zum Schluss die Kernbotschaft: Zwei Mal Nein. Vielleicht.