Archive for the ‘Schöner leben’ Category

Heute: Die Einbildung

8. Oktober 2017

Eine Weiterbildung macht natürlich erst dann richtig Sinn, wenn unser Umfeld bemerkt, dass wir eine solche absolviert haben. Das ist ein immens wichtiger Punkt, den viele Arbeitnehmer vollkommen vernachlässigen. Sie investieren viel Zeit und Geld, und am Ende profitieren nur sie selbst davon, ganz egoistisch. Die Mitmenschen gehen leer aus und bleiben gefangen in Ihrem Unwissen. Das Schlimmste: Die Anderen sind sich dessen nicht einmal bewusst.

Dies hier wäre ein unseriöser Beitrag, wenn folgend nicht ein paar wertvolle Tipps aufgeführt würden, um den Wissenstransfer auf die Umwelt sicherzustellen («Wissenstransfer» ist übrigens ein sehr dummes Wort, das ich im letzten Kurs aufgeschnappt habe, leider). Also, los geht’s!

Sagen Sie niemals «ich habe eine Weiterbildung gemacht», denn dieser Satz ist an Falschheit kaum zu überbieten. Richtig ist «ich habe eine Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen». Das ist ein grosser Unterschied, denn viele Studentinnen und Studenten eignen sich alles nötige Wissen an und vermögen danach dieses Wissen – das gleich umfangreich ist wie bei den erfolgreichen Mitstudierendinnen – an den Prüfungen nicht abzurufen. Auch das ist Wissenstransfer. Also, immer schön erfolgreich sein.

Arbeiten Sie nach dem Diplom nicht nur anders, sondern sprechen Sie auch anders. Englische Wörter runden Ihre professionelle Rhetorik ab, denn Sie erledigen Plain Vanilla Aufgaben straight on, damit die Performance stimmt. Natürlich ist dies am Anfang ein Challenge, doch Ihre Skills werden sich rasch verbessern. Übung macht den Master.

Geben Sie Arbeitskollegen, die nicht eine gleichwertige Ausbildung gemacht haben, dies auch zu verstehen. Diskrete Bemerkungen wie «wie hiess die Schule nochmals, die sie gemacht haben?» oder «Entschuldigen sie meine komplizierte Wortwahl, es sitzen ja auch Nicht-Akademiker am Tisch» helfen, die informelle Hierarchie aufrecht zu erhalten. Es ist sehr schade, wenn uns an einer Sitzung jemand ins Wort fällt, der nicht das gleich hohe Bildungsniveau aufweist wie wir. Die Firma würde ins Verderben rennen.

Gerade bei Besprechungen ist es hilfreich, den Arbeitskollegen Hinweise auf die entsprechende Fachliteratur zu geben, um eigene Aussagen zu untermauern. Es gilt der Grundsatz: Was nicht fundiert belegt werden kann, ist eine Behauptung und damit irrelevant. Profis nennen nicht nur Autor und Titel sondern auch Kapitel und womöglich Seitennummer des Fachbuches. Das Prinzip gilt für alle Themenbereiche, von «Kopierpapier nachfüllen» bis «Nuklearsprengkopf aktivieren».

Gut, damit haben wir die wichtigsten Regeln abgedeckt. Sie sind nun gerüstet für die Karriere. Nur noch etwas möchten wir Ihnen mit auf den Weg geben: Wenn Ihnen jemand sagt, Sie sollen nicht so geschwollen sprechen, dann erwidern Sie entschlossen: «diese unqualifizierte Formulierung erscheint mir nicht adäquat». Apropos geschwollen: Ein anschwellendes Auge sollte sofort mit Eis gekühlt werden, um eine grössere Schwellung zu vermeiden. – Viel Erfolg!

Advertisements

Sammer fünfzig!

27. September 2017

Normalerweise werden im Fussball die Stürmer berühmt, sie schiessen schliesslich die Tore – oder sollten es zumindest. Matthias Sammer wurde als Defensivspieler bekannt, und ja, liebe Damen, jetzt müssen auch Sie ganz ernst und interessiert gucken, denn seit der Euphorie der Schweizer Frauen-Fussball-Nationalelf … – ach, was soll’s! Jedenfalls hat Sammer lange Zeit bei Borussia Dortmund gespielt und viele Erfolge gefeiert. Er wurde 1996 sogar zum Europäischen Fussballer des Jahres erkoren (gähn) und ihm wurde unter anderem der «Ballon d’Or» verliehen (doppel-gähn). Zudem war er als Trainer und Funktionär tätig. Am 5. September wird Matthias Sammer fünfzig Jahre alt. – Herzlichen Glückwunsch und alles Gute! Obwohl wir ehrlich gesagt Stürmer schon besser finden.

Fünfundsiebzig

24. September 2017

Wenn Ihnen Kommissar Guido Brunetti nichts sagt, dann brauchen Sie auch Donna Leon nicht unbedingt zu kennen. Leon ist nämlich die erfolgreiche Autorin der Krimis, in denen Brunetti jeweils irgendwelche Fälle löst. Auf «Venezianisches Finale – Commissario Brunettis erster Fall» folgte «Endstation Venedig – Commissario Brunettis zweiter Fall» und danach – Belletristik-Freunde rund um den Erdball waren überrascht – «Venezianische Scharade – Commissario Brunettis dritter Fall». Tatsächlich geht das so weiter bis zum sechsundzwanzigsten Fall (den siebenundzwanzigsten musste vermutlich Inspektor Derrick lösen). Na ja, auf jeden Fall wird Donna Leon am 28. September fünfundsiebzig Jahre alt. Wir gratulieren Ihnen herzlich, Frau Leon! Guido Brunetti würde es uns sicher gleichtun. Zum fünfundsiebzigsten Mal.

Der Preis ist heiss

26. Juli 2017

Uff, der sieht aber älter aus, als er in Wirklichkeit ist: Harald Schmidt wird am 18. August sechzig Jahre alt. Tatsächlich. Freunden guter Unterhaltung wurde Schmidt bekannt durch «Die Harald Schmidt Show» auf Sat 1, die wirklich sehr ziemlich gut war (danke, liebe Pointen-Schreiber!) Schmidt ist jedoch auch Autor, Schauspieler, Moderator, grauhaarig und vieles mehr, womit wir bei eine Auswahl der wichtigsten Auszeichnungen angekommen wären: «Hildegard-von-Bingen-Preis», «Preis der beleidigten Zuschauer», «Goldener Wuschel» und «Preis-für-die-Entgegennahme-der-Auszeichnung-mit-dem-doofsten-Namen-Preis». Und jetzt wird er also sechzig, unser geliebter Harald Schmidt. Wir gratulieren herzlich zum Geburtstag. Die grauen Haare stehen Ihnen gut, irgendwie.

Es

9. Juli 2017

Die Lage ist ernst, liebe Männerinnen und Frauer, und ungewöhnliche Situationinnen verlangen nach unpopulären Lösungen: Menschende weltweit schreien nach Gleichstellung, was die diplomierten Biologenden vor grosse Probleme stellt. Denn viele der Schreienden sind gleichzeitig gegen gentechnische Veränderungen. Ein Dilemma ohne Gleichen. Chromosomen schlagen Alarm.

Aber irgendwo müssen wir doch anfangen mit der Verbesserung der Welt. Also lasst uns das Deutsch – diese dämliche Sprache – auf Gleichstellung prüfen. Die einzige Wortgattung der deutschen Sprache, die unsere wichtige Sache wirklich ernst nimmt, ist das Sächliche. Das Haus zum Beispiel ist neutral, weil es weder Mann noch Frau definitiv zugewiesen werden kann (der Mann baut es und die Frau kriegt es bei der Scheidung). Das Urteil muss so neutral sein wie das Gericht.

Alle anderen Worte, die maskulinen und die femininen, sind unsere Freunde nicht. Sie gehören verbannt aus das Duden. Setzen auch Sie ein Zeichen (das Zeichen), liebes Leser, und benutzen Sie ab heute nur noch neutrale Worte. Denn erst dann ist unser Kampf gewonnen, liebe Menschenden, wenn wirklich für alle, für wirklich alle alles egal ist. Die Gleichheit als die Erfüllung. Danke für die Solidarität. Amen.

Feuer! Feuer!

28. Juni 2017

Erwähnen Sie an gesellschaftlichen Anlässen nie den Namen «Fred», wenn das Schaffen von Herbert Feuerstein Gesprächsthema ist. Herbert Feuerstein war lange Chefredakteur des Magazins «MAD», das Satirefreunden ein Begriff sein dürfte. Aber er macht auch Kabarett, Hörfunk, Fernsehen und Kabarett im Fernsehen. Und er schreibt Bücher. Bezüglich Auszeichnungen wollen wir die 1987 verliehene «Essener Feder» für die beste Spielanleitung erwähnen, die in etwa den gleichen Stellenwert hat wie der vom Apothekerverband verliehene «Goldene Mörser» für den originellsten Beipackzettel für Epilepsiemedikamente. Am 15. Juni hat Herbert Feuerstein achtzig Lenze auf dem Buckel. Wir gratulieren Ihnen herzlich und wünschen nur das Beste. Selbst wenn dir Fred Feuerstein lustiger finden.

Tränen des Glücks

17. Juni 2017

Kai Pflaume ist der Moderator von «Nur die Liebe zählt», einer Sendung, die sozusagen direkt in die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer ausgestrahlt wird. In der Show werden Menschen, die sich über Jahre – ach, was sage ich: Jahrhunderte! – hinweg nicht gesehen haben, total überraschend wieder zusammengeführt (egal, ob das alle beide wollen oder nicht) und brechen dann meistens in Tränen aus. Manchmal Freudentränen. Tatsächlich hat Pflaume sehr viele verschiedene Sendungen erfolgreich moderiert, erstaunlicherweise jedoch nur einen «Bambi» und den «Bayerischen Fernsehpreis gewonnen». Am 27. Mai feiert Kai Pflaume seinen fünfzigsten Geburtstag. Wir gratulieren herzlich und wünschen alles Gute! Bitte nicht traurig sein wegen der Preise, denn: Nur die Liebe zählt!

Gib Gas!

12. Mai 2017

Der Zweite ist der erste Verlierer. Nick Heidfeld hat insgesamt dreizehn Mal auf dem Podest gestanden, allerdings niemals an oberster Stelle. Das macht ihm so schnell keiner nach, es ist ein Rekord! Die Formel 1 ist – ganz im Gegensatz zur landläufigen Meinung – nicht nur ein dummes im Kreis Herumfahren für Vollidioten. Nein, man muss auch Bremsen und Gas geben können. Und auf manchen Kursen warten Doppelkurven. Heidfeld hat für viele Rennställe am Steuer gesessen, auch mehrere Saisons für Sauber, was ihn ja zum Schweizer macht, irgendwie. Er ist einer von uns. Am 10. Mai wird Nick Heidfeld vierzig Jahre alt. Wir gratulieren Ihnen herzlich, Herr Heidfeld, und wünschen alles Gute! – Selbst wenn Sie auch bei uns nicht an erster Stelle stehen.

Oh nein!

7. Mai 2017

Die Diagnose war niederschmetternd: Filterblasenentzündung. Mist! Bei einer herkömmlichen Blasenentzündung, dachte Claus-Theodor, trinkt man etwas Tee und setzt sich nicht mehr auf kalte Parkbänke, und gut ist. Aber eine … schrecklich! Claus-Theodor rief sofort seine Mutter an.

Natürlich war auch sie geschockt, zumal sie schon einmal einen Virus eingefangen hatte, der sogar das Virenprogramm … – aber das alles hatte Claus-Theodor bereits tausend Mal gehört. Er fühlte sich alleine. Was sollte er bloss tun? Die Blase würde nicht mehr richtig funktionieren.

Sollte er etwa über die nächsten Tage Informationen lesen, die er gar nicht lesen wollte? Sollte er – der er doch nie genügend Zeit hatte – sich mit Meinungen herumschlagen, die von irgendwelchen Deppen gepostet worden sind? Sollte er etwa eine Zeitung der Lügenpresse abonnieren? Nein, das war keine Option.

Claus-Theodor beschloss, seinen besten Freund darum zu bitten, ihm täglich die wichtigsten Geschehnisse zusammenzufassen und per e-Mail zu schicken. So lange, bis die Filterblase wieder in Ordnung war. Das war nicht zu viel verlangt, fand Claus-Theodor. Denn schliesslich waren sie im selben Turnverein, in der gleichen Partei und Anhänger des gleichen Fussballkubs.

Danke für alles!

24. April 2017

Die Filmografie von Ingrid Steeger liest sich wie ein endloser, feuchter Traum: «Blutjunge Verführerinnen», «Krankenschwestern-Report» und «Die goldene Banane von Bad Porno», um hier nur einige der hochkarätigen Produktionen zu nennen. Richtig bekannt wurde Steeger allerdings mit der Fernsehserie «Klimbim» in den Siebzigern. Zudem warb sie für diverse Markenprodukte und – ganz wichtig – zog sich für den «Playboy» aus (das war in einer Zeit, als noch nicht alle prominenten Frauen in diesem Männermagazin erschienen und das Shooting als «extrem spannende Erfahrung» protokollierten). Am 1. April feiert Ingrid Steeger ihren siebzigsten Geburtstag. Wir gratulieren herzlich und danken für Ihre Werke – zumindest die Männer in der Leserschaft.