Archive for the ‘Rizzitelli erklärt die Welt’ Category

Es hilft

5. Oktober 2018

Während der religiöse Patient an die Wirkung des verschriebenen Medikaments glaubt, weiss sein Arzt um dessen Wirkung. – Oder er glaubt zumindest, es zu wissen. Erst die Zeit wird ja die Bestätigung bringen. Natürlich gibt es auch religiöse Schulmediziner. Sie wissen, dass Glaube je nach Situation besser heilen kann als Wissen (obwohl die meisten Medikamente von Wissenschaftlern entwickelt worden sind, nicht von Glaubenschaftlern).

Manche Theologen sprechen dem Weihwasser heilende Eigenschaften zu, was von den Halbgöttern in Weiss meist mit einem müden Lächeln quittiert wird, sowohl von religiösen als auch von atheistischen. Manche Menschen sind überzeugt, dass nur diejenigen Dinge existieren, die wissenschaftlich belegbar sind. Lachen soll übrigens gesund sein. Das haben Psychopaten – oder Psychologen meinetwegen – nachweisen können. Weinen ist ebenfalls gesund, glaube ich.

Probleme treten erst dann auf, wenn ein nachweislich wirksames Medikament dem Patienten nur darum nicht hilft, weil dieser nicht daran glaubt. Was will man da machen? Forscher wissen eben auch nur das, was man bisher herausgefunden hat. Manche Menschen haben auch eine geistige Krankheit, die verhindert, dass sie an irgendetwas glauben: An eine Heilung, daran etwa, dass der Mann im Kittel tatsächlich Arzt ist, oder an das neue iPhone. An manchen Orten werden Ungläubige hingerichtet. Da helfen Medikamente wenig.

Um dem vorliegenden Text ein Minimum an Sinn zu verleihen, ein Aufruf: Was immer Sie zu sich nehmen, liebe Leserin, lieber Leser, glauben Sie an die Wirkung! Die Wahrscheinlichkeit, dass der erwünschte Effekt eintritt, steigt damit nachweislich. Und falls nicht, ein kleiner Trost: Ich glaube selber nicht, was ich hier schreibe. Das weiss man doch.

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Sie lachen über uns!

26. August 2018

Nehmen wir Küchengeräte: Backofen und Steamer sind mit tausend intelligenten Programmen bestückt und verhindern, dass der Mensch irgendwas falsch machen könnte. Sie sind sozusagen Idiotensicher (hier ist kein Platz für sexistische Witze, bitte). Und in welchen Fällen versagt die Technik? – Genau: Wenn möglichst viel Besuch im Haus ist und alles tadellos funktionieren sollte. Ein Schelm, wer hier von Absicht spricht.

Sie sehen: Künstliche Intelligenz ist inzwischen so natürlich, so menschlich, dass sie Bösartigkeit entwickeln kann. Ist das nicht fantastisch? Die SBB-App versagt immer dann, wenn wir in Eile ein Ticket lösen wollen. Maschinen werden uns Menschen immer ähnlicher. Unter Stress funktionieren sie nicht mehr richtig. Das Google-Auto zum Beispiel kann nicht seitwärts einparken, wenn nebenan ein paar junge Frauen im Café sitzen und lächelnd zuschauen.

Sie glauben wir nicht? Machen Sie die Probe aufs Exempel und testen Sie eine Ihrer Maschinen. Zum Beispiel den Mixer: Er wird kläglich versagen, wenn wir gleichzeitig eine Aubergine und einen halben Sellerie pürieren wollen. Also helfen wir mit den Händen nach und drücken das Gemüse in Richtung Messer, welches just in dem Moment wieder funktionieren wird, in dem unser Zeigefinger in Reichweite ist. Ja, auch Maschinen können lachen.

Seien Sie mutig und probieren Sie das aus, im Namen des Fortschritts. Künstliche Intelligenz ist wirklich verblüffend! Viel Spass!

Er ist immer da

24. August 2018

Höchste Zeit, ein regelrechtes Tabuthema des modernen Strassenverkehrs aufzugreifen. – Ein Thema, das selbst durch den immensen technologischen Fortschritt kein bisschen an Brisanz eingebüsst hat. Natürlich ist es heikel, doch es muss einfach raus, und sei es noch so ein Donnerschlag: Sprechen wir über den toten Winkel.

Der tote Winkel – der Legende nach von Arnold Winkelried ins Leben gerufen – ist ein eigentlicher Evergreen, denn jedem Fahrschüler wird regelrecht eingehämmert, ihn niemals zu vergessen. Dies hat nicht selten zur Folge, dass Anfänger – vor lauter an den toten Winkel denken – andere Dinge vergessen, die bei näherer Betrachtung ebenfalls nicht ganz ohne Wichtigkeit wären. Zum Beispiel die linke Fahrspur freigeben, auf der Autobahn. Oder parken und dann nie, nie wieder Autofahren.

Erstellt man eine Liste aller Gefahren des Strassenverkehrs, so ist der tote Winkel (von Prüfungsexperten liebevoll «toWi» genannt) immer in den oberen Rängen zu finden, gefolgt von Überschlägen, Aquaplaning, Planlosplaning und Blinksignal-Legasthenie. Und dies, obwohl den toten Winkel bis heute noch niemand gesehen hat. Es ist absurd. Die Industrie hat ihn zwar verkleinert, durch gebogene Rückspiegel, in denen folgende Polizeifahrzeuge ein lustig verzerrtes Aussehen erhalten, doch vollständig eliminiert werden konnte er bis heute nicht. Der Tote Winkel ist sozusagen die Masern des Strassenverkehrs.

Um ein bisschen von der Problematik abzulenken, hat die Autoindustrie in manchen Ländern eine debil anmutende Inschrift an den Seitenspiegeln angebracht, die besagt, dass Dinge durch den Spiegel weiter entfernt erscheinen könnten als sie es tatsächlich sind. Als ob der Fahrer blöd wäre. Zudem ist es – mit Verlaub – etwas viel verlangt, so etwas während der Fahrt zu lesen (zumal man ja gleichzeitig auf die Strasse gucken und an den toten Winkel denken muss). Also alles Humbug.

Womöglich denken Sie, liebe Leserin, lieber Leser, das alles sei an Trivialität kaum zu überbieten, ja? – Dann sei die Frage erlaubt: Wann haben Sie zum letzten Mal vor dem Überholen auf der Autobahn den Schulterblick gemacht, so, wie es der dicke Fahrlehrer damals gepredigt hat? – Eben, sehen Sie. Er ist nicht totzukriegen, dieser verdammte Winkel.

Liebet und mehret euch!

17. August 2018

Der Papst hat natürlich Recht: Verhütungsmittel sind des Teufels. Vermutlich sind sie tatsächlich von der Natur so nicht vorgesehen. Und von der Bibel auch nicht. Wären alle Bewohner der Erde Katholiken, dann könnte die Doktrin, keine Verhütung zu praktizieren, weitaus besser umgesetzt werden. Stellen Sie sich das einmal vor, lieber Leser, liebe Leserin: Alles Katholiken. Friede auf Erden.

Wobei, warten Sie. Schon heben die Mathematiker den Mahnfinger und rufen «Stopp!» Die Erde mit einer Population von acht Milliarden Menschen, die alle nicht verhüten (inklusive Kinder), würde schnurstracks auf eine Übervölkerung zusteuern und kollabieren. Bumms! Gemäss meiner persönlichen Berechnung am 25. Mai 2018. Mathematiker sind meistens Heiden.

Gegenwärtig verzeichnen viele Regionen ein überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum, in denen die Mehrheit nicht christlichen Glaubens ist. Vielleicht halten sich viele Christen nicht an das Verhütungsverbot, währenddessen sich andere Religionen den päpstlichen Rat zu Herzen nehmen und … – nein, das ist an den Haaren herbeigezogen, natürlich. Zugegeben weiss ich nicht, ob andere Religionen ebenfalls von der Verhütung abraten.

Die eigentliche Frage ist noch immer nicht beantwortet: Sollen wir nun dem Papst oder dem Mathematiker Glauben schenken? Na ja, das muss wohl jeder für sich entscheiden, ganz persönlich. Vielleicht ist der nächste Papst ja ein Mathematiker.

Auf dem Land

5. August 2018

Wenn wir von der Stadt aufs Land ziehen, dann nur darum, weil «es im Dorf ruhiger» ist und «die Schulen besser» sind. Nicht etwa, weil das Leben in der Stadt zu teuer geworden ist, nein. Aber so sein wie die rückständigen Landmenschen, das dann schon lieber nicht. Nein danke. Die wählen ja SVP. Aber wir, ja wir sind politisch kompetent. Man weiss, wie der Hase läuft (also, eigentlich hoppelt er ja, ha ha).

Und wenn der Zürcher in einen anderen Kanton umzieht (weil es ruhiger ist, Mann!) dann hört er sich gerne sagen, dass er sich also schon ein bisschen schäme mit dem neuen Autokennzeichen. «AG» oder «TG», das ist an Schlimmheit kaum zu überbieten. Plötzlich kommt ein anderer Verkehrsteilnehmer auf die Idee, man sei kein überdurchschnittlich guter Autofahrer. Inkompetent.

Nein, Aargau, das geht gar nicht. Eben kürzlich hatten wir darüber gesprochen, als wir mit der Bahn diesen Kanton durchquert haben, auf dem Weg zur «No Borders – No Nations»-Demonstration. Rückständig. Wir wären ja gerne mit dem Auto hingefahren, doch gerade bei Grossanlässen sind Parkplätze rar. Zudem ist unser Tesla im Service. Und mit dem Zweitwagen, einem Diesel-SUV, sollte man da nicht auftauchen. Gehört sich nicht, irgendwie.

Auf dem Land gucken die Leute auch nicht so blöd, wenn man einmal Produkte einkauft, die nicht aus biologischem Anbau sind. Die Leute sind etwas entspannter diesbezüglich. In der City musst Du ja die nicht-biologischen Waren zuunterst in die Tragtasche packen. Könnte ja einer sehen, den man trifft. Ja, inzwischen gefällt es uns ganz gut, auf dem Land. Es sind einfache Leute, aber sehr freundlich. Und nicht so eitel.

Reamantik

15. Mai 2018

Die Realität ist nicht so romantisch, wie wir sie gerne hätten: Mehr als achtzig Prozent der Kinder hierzulande haben weniger als zwei Väter, während weit mehr als jedes zweite Kind von je einem Elternteil stammt. Unwesentlich besser steht es um die Kindsmütter. Bei nahezu jedem zehnten Kind steht nicht mit hundert Prozentiger Sicherheit fest, wer die Mutter ist. CVP und EVP schlagen Alarm. Die Klimaerwärmung ist ein Problem.

Soziologen (das sind glaube ich Leute, die auf dem Rücksitz eines Motorrades mitfahren) rechnen indes vor, dass die traditionelle Vorzeigefamilie aus der Werbung aus rein statistischer Sicht irrelevant ist. Sie ist faktisch unauffindbar. Die Werbefamilie besteht übrigens aus einer sehr, sehr attraktiven Frau, einem leicht schusseligen Mann, zwei hübschen, exzessiv fröhlichen Kindern (ein Mädchen und ein Junge) und einem Hund. Und einer Milchschnitte. Ritalin hilft.

Die Zeiten ändern sich eben. Früher waren Kinder eine Art Altersvorsorge. Man setzte zwischen sieben und zwölf Kinder in die Welt, die sodann auf dem Hof mitarbeiten mussten und ihre Eltern im Alter unterstützten. Es war eine Art Schneeballprinzip (Achtung: Klimawandel). Und es funktionierte. Unfruchtbare Frauen wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ausländer gab es gar nicht.

Heute verhindern Kinder indirekt den Kauf einer Gucci-Tasche oder eines Porsche. Und arbeiten lassen darf man die Bälger ja nicht, hierzulande. Das ist ärgerlich. Kinder sind sogar ein Armutsrisiko, offiziell. In Drittweltländern gibt es proportional zu den Erwachsenen tatsächlich viel mehr Kinder als hier. Wobei da vielerorts Kinderarbeit toleriert ist. Aber jetzt sind wir abgeschweift, ein bisschen. Die Realität ist nicht so romantisch, wie wir sie gerne hätten.

Rettet die Welt!

13. Mai 2018

Nicht selten hören sich Vegetarier sagen «ich verzichte aus Liebe zur Umwelt auf Fleisch» oder ähnlichen Nonsens. Ohne Witz. Sie rechnen vor, wie viele Ressourcen für die Produktion von Fleisch benötigt werden und kommen zum Schluss, dass dies einfach zu viel sei. Nicht nachhaltig. Der Planet Erde muss gerettet werden, notfalls mit Hilfe unseres Menüplans. Natürlich liegen auch hier ein paar grundlegende Denkfehler vor, die wir gerne ausräumen möchten.

Angeblich werden für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch fünfzehntausend Liter Wasser benötigt. Dazu sei folgendes gesagt. Erstens warnen alle Klimaforscher vor dem steigenden Meeresspiegel, der niedrig gelegene Länder (zum Beispiel die Niedriglanden oder so) früher oder später überfluten wird. Jeder wird verstehen, dass der Meeresspiegel noch viel schneller steigt, wenn das Vieh kein Wasser mehr trinkt (Kühe trinken gar nicht Milch, habe ich gelesen). Ergo sollte jeder, der ein Minimum an Solidarität mit den Holländern aufbringt, täglich mindestens zwei Kilo Fleisch essen. Freunde, so rettet man Menschen!

Zweitens ist die Argumentation oben ganz klar ein subtiler Vorwurf an die Tiere. Gerade Mathematik-affine Vegetarier sollten sich zu Recht fragen: «Warum verdammt nochmal müssen diese Kreaturen so viel Durst haben?» Und – mit Verlaub – dies ist ganz schön dreist, denn eine Kuh hat weiss Gott andere Sorgen, als sich über ihr Trinkverhalten Gedanken zu machen. Inzwischen kann die Forschung belegen, dass Rinder sehr häufig nachdenken. Allerdings selten über Wasser.

Zu guter Letzt wollen wir den fast wichtigsten Grund aufführen, der gerade Tierfreunde überzeugen dürfte. Katzenfutter wird aus einem nicht unwesentlichen Teil aus Fleisch hergestellt. Würden wir also aus Umweltschutzgründen konsequent auf dem Fleischkonsum verzichten, dann hätte Milou Lattich im Napf. Oder anderes Gemüse meinetwegen. Ob unsere Katze das so toll fände? Im Endeffekt darf jeder Vegetarier, der sein Haustier mit Fleisch füttert, dieses bedenkenlos für den Klimawandel und damit die Zerstörung der Welt verantwortlich machen. Die Katze wird das verstehen.

So, das war’s bereits. Es ist äusserst befriedigend, wenn sich innert kurzer Zeit mit fundierter Argumentation ein überflüssiger Ernährungstrend erfolgreich stoppen lässt. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bei Fragen lesen Sie die Packungs … – ach was, fragen Sie den Metzger Ihres Vertrauens. – Guten Appetit!

Robologik

3. April 2018

Es ist alles so einfach. Während der elektronische Fahrassistent exakt berechnet, wie schnell wir unser Auto in die Kurve fahren dürfen, berücksichtigt der Fahrer mit Hilfe seiner natürlichen Intelligenz zeitgleich das Vorhandensein eines elektronischen Fahrassistenten und wickelt sein Gefährt stilsicher um den Kandelaber. Das, liebe Leserin, lieber Leser, ist die Zukunft: Das perfekte Zusammenspiel von Mensch und Maschine.

Während künstliche Intelligenz im Strassenverkehr Leben rettet, rettet sie in der Arbeitswelt tausende von Jobs. Jeder Legasthenie-geplagte Zweitklässler hat inzwischen der Presse entnommen, dass Robotik nicht nur – wie von kurzsichtigen Laien befürchtet – Arbeitsstellen vernichtet, sondern auch welche kreiert. Schliesslich muss die Maschine ja von jemandem gebaut und programmiert werden. Das ist einleuchtend.

Gefragt ist Flexibilität. So arbeitet halt Hanspeter Hugelshofer, der dreissig Jahre lang Pizzakartons zusammengefaltet hat, neu als konzeptioneller Programmierer von modernen Robotikprogrammen. Und die restlichen Hanspeters sind für Unterhalt, Reparatur und Wartung des Roboters zuständig. Tatsächlich haben wir es mit der sogenannten Win-Win-Situation zu tun, von der ständig alle reden. Das Wort «Wartung» kommt übrigens von «warten» (zum Beispiel am Schalter des «RAV»).

Natürlich gibt es ewige Miesmacher, die unqualifizierte Dinge sagen wie «Der Mann in unserem Beispiel wird sich die Fähigkeit nicht aneignen können, einen Roboter zu programmieren» oder «in Zukunft wird es nicht so viele Hanspeter benötigen wie bisher». – Na, wenn schon, geht doch heulen! Damals, nach der Erfindung der Dampfmaschine hat schliesslich auch … – na ja, der eine oder andere wird vielleicht nicht sofort etwas Neues finden, doch insgesamt profitieren alle.

Denn geht es der Wirtschaft gut, dann geht es dem Volk gut. Das ist ein Fakt, über den die Betroffenen einmal nachdenken sollten, anstatt ständig zu jammern. Es geht um Wohlstand. Abgesehen davon hören wir von überall her, dass wir in der Schweiz zu wenig Freizeit hätten. Sie sehen: Genau hier hilft Robotik. Es ist alles so einfach.

Danke für nichts

25. März 2018

Was haben wir nicht alles den Achtundsechzigern zu verdanken. Wissen Sie, heute mag man darüber lachen, aber damals war das alles ja noch nicht so selbstverständlich wie heute. Es war anders. Die Jungen mussten Kämpfen. Und die Mädchen auch. Die Achtundsechziger ebneten den Weg für uns, die wir heute in einer viel, viel besseren Welt leben. Früher zum Beispiel gab es den Kalten Krieg. Heute gibt es echte Kriege.

Damit nicht genug. Hätte es die Achtundsechziger nicht gegeben, dann hätte es auch nie die Neunundsechziger gegeben. Ganz klar. Die Siebziger und – ganz schlimm – die Achtziger hätte es auch nicht gegeben. Nena zum Beispiel: Inexistent. Yoga auch, zumindest in Westeuropa (was würden Frauen bloss ohne Yoga machen). Der Tesla wäre auch nie erfunden worden. Das ist Chronologie, verstehen Sie. Und Logik.

Den Achtundsechzigern haben wir also eine ganze Menge zu verdanken. – Wobei, warten Sie. Da war doch auch der Irakkrieg, später. Oder 9/11. Oder Aids, also alles schlimme Sachen, die niemals passiert wären, hätten passieren können. Und das kann einen ganz schön wütend stimmen, bei näherem Nachdenken. Ehrlich. Fuchsteufelswild. Also, mit anderen Worten: Danke für nichts. Basta.

Ice Ice Baby

18. Februar 2018

Hand aufs Herz: Am imposantesten sind doch diejenigen olympischen Disziplinen, bei denen die Sportler grosse Risiken eingehen. Langlauf zum Beispiel heisst so, weil stundenlang nichts geschieht und es für den Zuschauer rasch langweilig wird. Mit etwas Glück schiesst sich beim Biathlon ein Sportler in den Fuss oder beim Curling verstaucht sich einer den Mittelfinger. Viel passiert da nicht. Da sind diejenigen Disziplinen, bei denen ein paar Waghalsige auf Eis irgendwo hinunterfahren weit interessanter.

Beim Skeleton zum Beispiel liegen die Fahrer bäuchlings auf einem sehr kleinen Schlitten und fahren mit bis zu fünfhundert Kilometern pro Stunde den Eiskanal hinunter. Wenn da einer kippt und auf dem Eis … – das ist wie Beton, wissen Sie, nicht auszudenken. Skeleton sieht so unerträglich doof aus, dass der Grossteil der Zuschauer immerzu darauf hofft, dass etwas Schlimmes passiert. Skeletor ist – das wird von Sport-Laien nicht selten verwechselt – der Comic-Bösewicht aus «Masters of the Universe».

Beim Rennrodeln hingegen liegen die Sportler rücklings auf dem Gerät, was auch nicht wesentlich eleganter aussieht. Auch hier geht es um Hundertstel-Sekunden, weshalb der Luftwiderstand äusserst gering gehalten werden muss und eng anliegende Anzüge getragen werden. Männliche Pornostars sehen deshalb für gewöhnlich von einer Zweit-Karriere im Rodeln ab. Ein Radler ist übrigens Bier gemischt mit Zitronenlimonade, was ihnen jeder zweitklassige Après-Skifahrer wortreich erklären kann.

Apropos Apéro: Viererbob-Athleten sehen sich beim Après-Bob (sie fahren ja nicht Ski) ständig blöden Witzen ausgesetzt, von wegen «am Schönsten haben es die beiden mittleren Fahrer, ha ha ha» und dergleichen. Es ist einfach primitiv. Tatsächlich ist der Bobsport in diesen Belangen noch lange nicht so fortgeschritten wie zum Beispiel Fussball. Bis heute hat noch kein einziger Bob-Schiedsrichter im «Blick» sein Outing gewagt. Da wagt sich keiner aufs Glatteis.

Insgesamt lässt sich aus rein sportlicher Sicht konstatieren, dass alle Menschen, die mit einer Geschwindigkeit von über hundert km/h einen Eiskanal hinunterbrettern, entweder sehr mutig oder total bescheuert sind. Oder beides. Am ehesten könnte ich persönlich mir die Fahrt in einem Viererbob vorstellen, weil man da noch schützendes Blech – oder Karbon meinetwegen – um sich herum hat. Wär schon toll, ehrlich gesagt. – Aber irgendwie ist mir das zu schwul.