Archive for the ‘Rizzitelli erklärt die Welt’ Category

Reamantik

15. Mai 2018

Die Realität ist nicht so romantisch, wie wir sie gerne hätten: Mehr als achtzig Prozent der Kinder hierzulande haben weniger als zwei Väter, während weit mehr als jedes zweite Kind von je einem Elternteil stammt. Unwesentlich besser steht es um die Kindsmütter. Bei nahezu jedem zehnten Kind steht nicht mit hundert Prozentiger Sicherheit fest, wer die Mutter ist. CVP und EVP schlagen Alarm. Die Klimaerwärmung ist ein Problem.

Soziologen (das sind glaube ich Leute, die auf dem Rücksitz eines Motorrades mitfahren) rechnen indes vor, dass die traditionelle Vorzeigefamilie aus der Werbung aus rein statistischer Sicht irrelevant ist. Sie ist faktisch unauffindbar. Die Werbefamilie besteht übrigens aus einer sehr, sehr attraktiven Frau, einem leicht schusseligen Mann, zwei hübschen, exzessiv fröhlichen Kindern (ein Mädchen und ein Junge) und einem Hund. Und einer Milchschnitte. Ritalin hilft.

Die Zeiten ändern sich eben. Früher waren Kinder eine Art Altersvorsorge. Man setzte zwischen sieben und zwölf Kinder in die Welt, die sodann auf dem Hof mitarbeiten mussten und ihre Eltern im Alter unterstützten. Es war eine Art Schneeballprinzip (Achtung: Klimawandel). Und es funktionierte. Unfruchtbare Frauen wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ausländer gab es gar nicht.

Heute verhindern Kinder indirekt den Kauf einer Gucci-Tasche oder eines Porsche. Und arbeiten lassen darf man die Bälger ja nicht, hierzulande. Das ist ärgerlich. Kinder sind sogar ein Armutsrisiko, offiziell. In Drittweltländern gibt es proportional zu den Erwachsenen tatsächlich viel mehr Kinder als hier. Wobei da vielerorts Kinderarbeit toleriert ist. Aber jetzt sind wir abgeschweift, ein bisschen. Die Realität ist nicht so romantisch, wie wir sie gerne hätten.

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Rettet die Welt!

13. Mai 2018

Nicht selten hören sich Vegetarier sagen «ich verzichte aus Liebe zur Umwelt auf Fleisch» oder ähnlichen Nonsens. Ohne Witz. Sie rechnen vor, wie viele Ressourcen für die Produktion von Fleisch benötigt werden und kommen zum Schluss, dass dies einfach zu viel sei. Nicht nachhaltig. Der Planet Erde muss gerettet werden, notfalls mit Hilfe unseres Menüplans. Natürlich liegen auch hier ein paar grundlegende Denkfehler vor, die wir gerne ausräumen möchten.

Angeblich werden für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch fünfzehntausend Liter Wasser benötigt. Dazu sei folgendes gesagt. Erstens warnen alle Klimaforscher vor dem steigenden Meeresspiegel, der niedrig gelegene Länder (zum Beispiel die Niedriglanden oder so) früher oder später überfluten wird. Jeder wird verstehen, dass der Meeresspiegel noch viel schneller steigt, wenn das Vieh kein Wasser mehr trinkt (Kühe trinken gar nicht Milch, habe ich gelesen). Ergo sollte jeder, der ein Minimum an Solidarität mit den Holländern aufbringt, täglich mindestens zwei Kilo Fleisch essen. Freunde, so rettet man Menschen!

Zweitens ist die Argumentation oben ganz klar ein subtiler Vorwurf an die Tiere. Gerade Mathematik-affine Vegetarier sollten sich zu Recht fragen: «Warum verdammt nochmal müssen diese Kreaturen so viel Durst haben?» Und – mit Verlaub – dies ist ganz schön dreist, denn eine Kuh hat weiss Gott andere Sorgen, als sich über ihr Trinkverhalten Gedanken zu machen. Inzwischen kann die Forschung belegen, dass Rinder sehr häufig nachdenken. Allerdings selten über Wasser.

Zu guter Letzt wollen wir den fast wichtigsten Grund aufführen, der gerade Tierfreunde überzeugen dürfte. Katzenfutter wird aus einem nicht unwesentlichen Teil aus Fleisch hergestellt. Würden wir also aus Umweltschutzgründen konsequent auf dem Fleischkonsum verzichten, dann hätte Milou Lattich im Napf. Oder anderes Gemüse meinetwegen. Ob unsere Katze das so toll fände? Im Endeffekt darf jeder Vegetarier, der sein Haustier mit Fleisch füttert, dieses bedenkenlos für den Klimawandel und damit die Zerstörung der Welt verantwortlich machen. Die Katze wird das verstehen.

So, das war’s bereits. Es ist äusserst befriedigend, wenn sich innert kurzer Zeit mit fundierter Argumentation ein überflüssiger Ernährungstrend erfolgreich stoppen lässt. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bei Fragen lesen Sie die Packungs … – ach was, fragen Sie den Metzger Ihres Vertrauens. – Guten Appetit!

Robologik

3. April 2018

Es ist alles so einfach. Während der elektronische Fahrassistent exakt berechnet, wie schnell wir unser Auto in die Kurve fahren dürfen, berücksichtigt der Fahrer mit Hilfe seiner natürlichen Intelligenz zeitgleich das Vorhandensein eines elektronischen Fahrassistenten und wickelt sein Gefährt stilsicher um den Kandelaber. Das, liebe Leserin, lieber Leser, ist die Zukunft: Das perfekte Zusammenspiel von Mensch und Maschine.

Während künstliche Intelligenz im Strassenverkehr Leben rettet, rettet sie in der Arbeitswelt tausende von Jobs. Jeder Legasthenie-geplagte Zweitklässler hat inzwischen der Presse entnommen, dass Robotik nicht nur – wie von kurzsichtigen Laien befürchtet – Arbeitsstellen vernichtet, sondern auch welche kreiert. Schliesslich muss die Maschine ja von jemandem gebaut und programmiert werden. Das ist einleuchtend.

Gefragt ist Flexibilität. So arbeitet halt Hanspeter Hugelshofer, der dreissig Jahre lang Pizzakartons zusammengefaltet hat, neu als konzeptioneller Programmierer von modernen Robotikprogrammen. Und die restlichen Hanspeters sind für Unterhalt, Reparatur und Wartung des Roboters zuständig. Tatsächlich haben wir es mit der sogenannten Win-Win-Situation zu tun, von der ständig alle reden. Das Wort «Wartung» kommt übrigens von «warten» (zum Beispiel am Schalter des «RAV»).

Natürlich gibt es ewige Miesmacher, die unqualifizierte Dinge sagen wie «Der Mann in unserem Beispiel wird sich die Fähigkeit nicht aneignen können, einen Roboter zu programmieren» oder «in Zukunft wird es nicht so viele Hanspeter benötigen wie bisher». – Na, wenn schon, geht doch heulen! Damals, nach der Erfindung der Dampfmaschine hat schliesslich auch … – na ja, der eine oder andere wird vielleicht nicht sofort etwas Neues finden, doch insgesamt profitieren alle.

Denn geht es der Wirtschaft gut, dann geht es dem Volk gut. Das ist ein Fakt, über den die Betroffenen einmal nachdenken sollten, anstatt ständig zu jammern. Es geht um Wohlstand. Abgesehen davon hören wir von überall her, dass wir in der Schweiz zu wenig Freizeit hätten. Sie sehen: Genau hier hilft Robotik. Es ist alles so einfach.

Danke für nichts

25. März 2018

Was haben wir nicht alles den Achtundsechzigern zu verdanken. Wissen Sie, heute mag man darüber lachen, aber damals war das alles ja noch nicht so selbstverständlich wie heute. Es war anders. Die Jungen mussten Kämpfen. Und die Mädchen auch. Die Achtundsechziger ebneten den Weg für uns, die wir heute in einer viel, viel besseren Welt leben. Früher zum Beispiel gab es den Kalten Krieg. Heute gibt es echte Kriege.

Damit nicht genug. Hätte es die Achtundsechziger nicht gegeben, dann hätte es auch nie die Neunundsechziger gegeben. Ganz klar. Die Siebziger und – ganz schlimm – die Achtziger hätte es auch nicht gegeben. Nena zum Beispiel: Inexistent. Yoga auch, zumindest in Westeuropa (was würden Frauen bloss ohne Yoga machen). Der Tesla wäre auch nie erfunden worden. Das ist Chronologie, verstehen Sie. Und Logik.

Den Achtundsechzigern haben wir also eine ganze Menge zu verdanken. – Wobei, warten Sie. Da war doch auch der Irakkrieg, später. Oder 9/11. Oder Aids, also alles schlimme Sachen, die niemals passiert wären, hätten passieren können. Und das kann einen ganz schön wütend stimmen, bei näherem Nachdenken. Ehrlich. Fuchsteufelswild. Also, mit anderen Worten: Danke für nichts. Basta.

Ice Ice Baby

18. Februar 2018

Hand aufs Herz: Am imposantesten sind doch diejenigen olympischen Disziplinen, bei denen die Sportler grosse Risiken eingehen. Langlauf zum Beispiel heisst so, weil stundenlang nichts geschieht und es für den Zuschauer rasch langweilig wird. Mit etwas Glück schiesst sich beim Biathlon ein Sportler in den Fuss oder beim Curling verstaucht sich einer den Mittelfinger. Viel passiert da nicht. Da sind diejenigen Disziplinen, bei denen ein paar Waghalsige auf Eis irgendwo hinunterfahren weit interessanter.

Beim Skeleton zum Beispiel liegen die Fahrer bäuchlings auf einem sehr kleinen Schlitten und fahren mit bis zu fünfhundert Kilometern pro Stunde den Eiskanal hinunter. Wenn da einer kippt und auf dem Eis … – das ist wie Beton, wissen Sie, nicht auszudenken. Skeleton sieht so unerträglich doof aus, dass der Grossteil der Zuschauer immerzu darauf hofft, dass etwas Schlimmes passiert. Skeletor ist – das wird von Sport-Laien nicht selten verwechselt – der Comic-Bösewicht aus «Masters of the Universe».

Beim Rennrodeln hingegen liegen die Sportler rücklings auf dem Gerät, was auch nicht wesentlich eleganter aussieht. Auch hier geht es um Hundertstel-Sekunden, weshalb der Luftwiderstand äusserst gering gehalten werden muss und eng anliegende Anzüge getragen werden. Männliche Pornostars sehen deshalb für gewöhnlich von einer Zweit-Karriere im Rodeln ab. Ein Radler ist übrigens Bier gemischt mit Zitronenlimonade, was ihnen jeder zweitklassige Après-Skifahrer wortreich erklären kann.

Apropos Apéro: Viererbob-Athleten sehen sich beim Après-Bob (sie fahren ja nicht Ski) ständig blöden Witzen ausgesetzt, von wegen «am Schönsten haben es die beiden mittleren Fahrer, ha ha ha» und dergleichen. Es ist einfach primitiv. Tatsächlich ist der Bobsport in diesen Belangen noch lange nicht so fortgeschritten wie zum Beispiel Fussball. Bis heute hat noch kein einziger Bob-Schiedsrichter im «Blick» sein Outing gewagt. Da wagt sich keiner aufs Glatteis.

Insgesamt lässt sich aus rein sportlicher Sicht konstatieren, dass alle Menschen, die mit einer Geschwindigkeit von über hundert km/h einen Eiskanal hinunterbrettern, entweder sehr mutig oder total bescheuert sind. Oder beides. Am ehesten könnte ich persönlich mir die Fahrt in einem Viererbob vorstellen, weil man da noch schützendes Blech – oder Karbon meinetwegen – um sich herum hat. Wär schon toll, ehrlich gesagt. – Aber irgendwie ist mir das zu schwul.

Es ist Kunst

10. Februar 2018

Ein Schneemann muss aus Schnee gemacht sein. Basta. Was im ersten Moment selbstverständlich klingt, ist es bei näherer Betrachtung leider nicht: Wie oft werden unseren gepeinigten Augen künstliche Schneemänner vorgesetzt, zum Beispiel in Schaufenstern oder Einkaufszentren. Oder in Schaufenstern in Einkaufszentren. Sie sind aus Styropor oder anderen hässlichen Materialien gefertigt und sehen viel zu gleichmässig, viel zu schön aus, um echt zu wirken. Eine Schande.

Seit Jahren beglücken uns künstliche Weihnachtsbäume aus dem fernen China (Achtung: böse!), die nur halb so schön aussehen wie die eh schon halb so schön aussehenden (weil gefällt und damit tot) echten Tannen, die teilweise aus dem ebenfalls fernen Finnland hierhin gekarrt werden (ja, Herr Lehrer, wir haben mitgezählt, das macht insgesamt einen Viertel schön). Die famose Nordmann- ist der lieblosen Hong-Kong-Tanne gewichen. Die ist natürlich künstlich.

Also, der perfekte Schneemann muss aus Schnee gemacht sein, der irgendwann schmilzt. Das ist der Punkt. Es ist die Vergänglichkeit, die ihn perfekt macht. Wie bei einer blühenden Rose. Mit Silikonbrüsten ist es ähnlich. Oder, liebe Herren, schenken Sie Ihrer Liebsten etwa Blumen aus Kunststoff? Das fühlt sich irgendwie falsch an. Und ist unromantisch.

Um langsam zum Schluss zu kommen: Entweder ein Schneemann aus Schnee oder gar keiner. Das ist Ehrensache. Über Schneemänner, die aus Kunstschnee gefertigt wurden, lässt sich streiten, zugegeben. Und das mit den Brüsten … – na ja, darüber vielleicht ein anderes Mal. Ich wünsche Ihnen einen schönen Winter. Mit viel Schnee.

Gut ist schlecht ist gut

21. Januar 2018

Um mit negativen Nachrichten adäquat umgehen zu können, muss man deren Wesen, den eigentlichen Prozess der Entstehung und Übermittlung verstehen. Klar, nur wer begreift, worum es im Kern geht, kann richtig reagieren (es sei denn, man ist Politiker). Dieser Text wäre unseriös, wenn folgend nicht die wesentlichen Phasen der Nachricht aufgeführt wären.

Am Anfang ist natürlich die Entstehung. Woher stammt die Nachricht, wer hat sie erfunden, ist sie wirklich negativ? Während bei Meldungen über das Weltgeschehen (Anja Zeidler hat sich die Brüste verkleinern lassen) ganz klar die Journalisten in der Pflicht stehen, ist die Lage bei vermeintlichen Nichtigkeiten komplexer.

Ein Beispiel: «Ich habe heute Morgen den Bus verpasst» klingt für den unreflektierten Zuhörer negativ. Dabei ist bei dieser Botschaft völlig unklar, ob der Sender (Jargon: Botschafter) tatsächlich diesen Bus hat nehmen wollen. – Ja, vielleicht wollte er ja mit dem Tram ins Büro? Vielleicht hat er ja frei genommen oder ist auf Ibiza in den Ferien. Wir wissen es nicht. Überlegen hilft.

Teil zwei im Prozess ist die Übertragung der schlechten Nachricht, die Probleme mit der Verständigung mit sich bringen kann. Ein positives «ich will sie fotografieren» des Chefchirurgen kann leicht als negatives «ich muss sie operieren» verstanden werden. Darum muss die erste Frage jedes halbwegs gebildeten Bürgers lauten: «Lügen mich meine Ohren an?»

Im Zweifelsfalle sollte man nicht nachfragen, um den Gesprächspartner nicht unnötig in seinem Redefluss zu stören. Das irritiert. Besser ist, eine Annahme zu treffen und den Gesprächsablauf abzuwarten. Aus «diese Panzerhaubitze» kann rasch «diese ganze Sauhitze» werden, gerade pazifistisch geprägte Ohren im Hochsommer. Wir brauchen bloss richtig hinzuhören.

So, das war’s bereits. Probieren Sie es aus, interpretieren Sie Nachrichten besonnen und selektiv. Es lohnt sich, je länger je mehr werden vermeintlich negative Nachrichten zu sehr, sehr positiven. In diesem Sinne: Interpretieren Sie gut, auf Wiederlegen, schönen Schlag noch!

Wir sind Eins

8. Januar 2018

Wissen Sie, bei uns wäre so etwas undenkbar. Die Abspaltung einer Region von der Schweiz? – Nein, absolut unmöglich! Bei uns herrschen Demokratie, politischer Diskurs und Glück. Und Friede (ausser in diesen «Arena»-Sendungen des Schweizer Fernsehens. Darum: Ja zur «No-Billag»-Initiative!)

Gut, ein paar Berner Gemeinden wollten sich einmal abspalten und den Kanton Jura gründen. Allerdings gab es diesen Kanton bereits, so liessen sie es halt bleiben. Aber ein Kanton, der einen neuen, vollkommen autonomen Staat werden wollte, ist bislang nicht bekannt. – Es sei denn, diese Bestrebungen seien von einem politischen Komplott (das ist eine Art Mus) vereitelt und von der Lügenpresse verschwiegen worden.

Die Eidgenossenschaft basiert schliesslich auf Solidarität. Wenn zum Beispiel die Basler in Bundesbern den Wunsch äussern würden, rein hypothetisch, sich zu separieren und einen eigenen Staat zu bilden, dann würden mindestens – sagen wir: Neunzig Prozent der Schweizer Bürger zusammenrücken und ganz solidarisch sagen: «Ja, tut das». Die restlichen zehn Prozent würden vermutlich erstaunt fragen: «Gehört Basel nicht zu Frankreich?»

Gut, ein dummes Beispiel, zugegeben. Nehmen wir den Tessin, der ja kürzlich einen Tunnel geschenkt bekommen hat: Wäre der Tessin der Schweiz abtrünnig, dann müsste die Deutschschweiz auf einen Schlag dutzende von Grottos (oder «Grotti»?) aus dem Boden stampfen, damit man auch zukünftig beim Pausenkaffe im Büro prahlen kann «wir haben Ferien in der Schweiz gemacht, so gut, wir waren in einem Grotto, das war imfall wie in Italien».

Auch blöd. Das alles ist total unvorstellbar. Absurd. Denn die Schweizer, die Kantone halten zusammen, bilden einen Staatenbund, propagieren stolz: «Gemeinsam sind wir mehr als die Summe aller Einzelteile», selbst wenn Mathematiker dies nicht wahrhaben wollen. Wir sind eins. So war es bereits ein paar hundert Jahre lang. Gemeinsam sind wir stark. Jedenfalls so lange, bis der Finanzausgleich zwischen den Kantonen diskutiert wird.

Der liebe Wolf

25. November 2017

Seine rechte Pfote drückte die «Enter»-Taste und schon war das neue Video veröffentlicht. Online. Kurz zuvor hatte der Wolf ein neues Filmchen aufgenommen, das von Pullovern aus reiner Bio-Schurwolle handelte. Er hatte sehr, sehr viele Follower. Es war ein Leitwolf.

Der neue Kurzfilm wurde im Netz innert zwei Wochen über hunderttausend Mal angeklickt und erhielt etwa fünftausend Likes. Ein Erfolg. Die Pullover-Verkäufe von Wolfford schnellten in die Höhe und Meister Lupo rieb sich die Pfoten: Seine Auftraggeber waren äusserst zufrieden. Alles lief nach Plan.

Dann jedoch erreichte ihn diese e-Mail, die sein Leben verändern sollte: Eine Walliser Jagdgesellschaft bot zehn Gänse und fünf Schafe in Raten, wenn er die neue Flinte «Muerte 500» promoten würde. – Ein Angebot, das man unmöglich ausschlagen kann, zehn Gänse und fünf Schafe!

Der Wolf überlegte: Er sollte also für ein Gewehr werben, mit dem theoretisch Seinesgleichen erschossen werden könnten? – Na ja, frei lebende Wölfe gibt es ja kaum mehr, hierzulande, und die Jäger konnten ja auch andere Tiere damit erlegen. Also kein Problem. Doch er sollte Speise-Schafe als Entschädigung erhalten, obwohl der Grossteil seiner Follower selbst welche waren? Gut, das wussten seine Fans ja nicht. Was das Schaf nicht weiss, macht das Schaf nicht heiss!

So nahm er den Auftrag dankend an. Als er ein halbes Jahr später – die Gänse und Schafe waren längst verspeist – seine Lieblingswiese um die Ecke aufsuchen wollte, um sich ein Schäfchen To Go zu holen, hörte er aus der Ferne einen lauten Knall. Noch im Sterben liegend fragte er sich, was geschehen war, bis ein paar Schafe auf ihn herabblickten. Eines trug eine «Muerte 500» im Anschlag. Aus dem Lauf stieg ein kleines bisschen Rauch auf.

Der Wein lügt

30. Oktober 2017

Im Wein liegt die Wahrheit, meint der Volksmund. Wer auch immer das sagt, der lügt wie gedruckt. Ich habe in ein Glas Rotwein geschaut, mehrere Male, bis auf den Grund: Nichts. Das habe ich mit mehreren Weinsorten gemacht, auch mit Weisswein und Rosé. Selbst wenn Sie sehr tief ins Glas schauen, da ist nichts. Es ist ernüchternd, eine herbe Enttäuschung. Mit etwas Glück finden Sie ein bisschen Satz auf dem Grund des Glases. Da bleibt kein Raum für Küchentisch-Philosophie.

Rotwein gibt übrigens ganz üble Flecken, die sich kaum wegkriegen lassen, von Kleidern und Teppichen. Einmal ist mir ein volles Glas umgekippt und die Primarlehrerin hat geschimpft. Dabei ist es ein fieses Naturgesetz, dass je mehr Wein jemand getrunken hat, desto höher die Wahrscheinlichkeit ist, welchen zu verschütten. Desto niedriger ist allerdings die Bereitschaft, die Sauerei aufzuwischen. Salz hilft gegen Flecken, übrigens. Und gegen Glatteis.

Bereits die alten Römer haben gekeltert. Sie haben so viel getrunken, dass am Ende vergessen gegangen ist, das Reich zu verteidigen. Daraus kann der Geschichtsfreund für die Gegenwart seine Lehren ziehen: Nationen, in denen viel Wein getrunken wird, sind dem Untergang geweiht. Ebenso steht es mit Ländern, in denen viel Putenfleisch gegessen wird, glutenfreie Haferflocken und getrocknete Pfifferlinge. Alle anderen Regionen sind aufstrebend. Somalia zum Bespiel.

Das mit den Römern und dem Wein kann übrigens jedermann in der Literatur nachlesen, in Asterix-Heften zum Beispiel. Auch die Griechen haben schon viel Wein getrunken. Und die Walliser. Ach ja, etwas Wichtiges noch. Weisswein gibt weniger schlimme Flecken, dafür Kopfschmerzen. Darum schmerzt es den trinklustigen Zeitgenossen nicht so sehr, wenn er Weisswein verschüttet. Und das, liebe Leserin, lieber Leser, ist die Wahrheit. Sie liegt nirgendwo, sondern steht hier geschrieben, schwarz auf weiss.