Archive for the ‘Rizzitelli erklärt die Welt’ Category

Trautes Heim, Glück allein

10. August 2017

Es gibt Leute, die werfen mit Popcorn im Kinosaal. Knallmais. Wenn man das tut, dann kommt früher oder später der dicke Mann mit der Taschenlampe, und die Spannung im Saal steigt ins Unermessliche: Jeder Besucher fragt sich, wo der Lichtkegel wohl stehen bleiben wird. – Da! – Der Rentner, der neben einer Gruppe von Jugendlichen gesessen hat, wird freundlich aber bestimmt hinausbegleitet (gewisse Airlines bieten diesen Service ebenfalls an, ganz ohne Popcorn).

Dann gibt es Kinobesucher, die lachen in den falschen Momenten. – Ständig! Wenn zum Beispiel Leonardo DiCaprio in «Titanic» im Eismeer versinkt, und alle Besucherinnen unter siebzehn Jahren (also etwa neunzig Prozent der Anwesenden) ihre Taschentücher klatschnass flennen, dann lachen diese Ignoranten höhnisch. Das ist sehr ärgerlich, wirklich. Die bemerken gar nicht, wie blöd sie sind. Manche lachen auch, wenn Til Schweiger versucht, einen Witz zu machen. Es ist zum Weinen.

Vor fast jeder Kinovorstellung gibt es Gäste, die den Informationsgehalt ihrer Eintrittskarte nicht in die Realität der Sessel-Anordnung im Saal transferieren können. Tatsächlich. Auf ihren offensichtlichen Irrtum angesprochen, halten sie mit einer beneidenswerten Beharrlichkeit an ihrer Meinung – und an ihrem Sessel – fest, als ob das Ticket des anderen Gastes in einem Paralleluniversum gekauft worden wäre, und sie in der unsrigen Gegenwart sehr wohl Recht hätten. Popcorn ist übrigens ein sehr, sehr dummes Lebensmittel.

Zur nachhaltig mühseligen Art von Sitznachbarn gehört der Mitmensch, der offenbar vor dem Kinobesuch mehrere Tagen in einem geheimen Verliess gefangen gehalten wurde, ohne Essen und Trinken. Da wird geschmatzt und geschlürft, dass man ständig meint, der Film spiele an einer stürmischen Meeresbrandung, hinter Cameron Diaz lauere ein knochenzermalmendes Monster («nein, bitte nicht Cameron Diaz!») oder King Kong verspeise gerade die russische Luftwaffe. Viele Kinos bieten – vermutlich im Zeichen der akustischen Vielfalt – mexikanische Nachos mit Guacamole an. Ein Traum!

Sie sehen: Heutzutage lohnt es sich gar nicht mehr, ins Kino zu gehen, bei all den Dumpfbacken, die einem da auf die Nerven gehen. Für ein Besuch in einer Bar, einem Restaurant, im Zoo oder eines Konzerts (Justin Bieber!) gilt das Gleiche. Sauna ebenfalls. Am Schönsten ist es immer noch zu Hause. «Titanic» ist übrigens ein sehr, sehr trauriger Film. Ausser die Szene natürlich, in der Leonardo DiCaprio im Meer versinkt.

Paradox im Paradies

8. August 2017

Im Paradies gibt es einen weissen Sandstrand. Der Sand ist nicht braun, nicht beige, und es ist auch kein Kieselstrand. Ob auf den Malediven, den Seychellen, den Salmonellen, auf Guantanamo oder im Marzili-Bad in Bern: Ist der Sand nicht weiss und feinkörnig, dann ist das kein Paradies. Da können die Bewohner von Teneriffa (Teneriffaner?) den Touristen noch lange weismachen, das sei halt Vulkangestein, der Sand sei nun eben schwarz. – Pustekuchen! Das Paradies ist genormt. Verarscht werden wir schon zu Hause. Teneriffa gehört zu Spanien, und Spanien zur EU. Obwohl die EU Normen liebt, ist Spanien nicht paradiesisch. Nur keine falschen Rückschlüsse, bitte!

Aus dem weissen Sand wachsen Palmen, im Paradies. Keine Weisstannen, Pinien oder irgendwelche andere Bäume. Am besten Kokospalmen, auf die Einheimische Männer flink hinaufklettern, um wunderschöne, frische Kokosnüsse zu pflücken und sie den Touristen anzubieten. Es gibt nichts Besseres als frisches Kokos. Nach dem Pflücken verschwinden die Fremden wieder, um das Ortsbild nicht unnötig zu belasten. Schliesslich ist es das Paradies. Das übrige Kokos wird in Schokoriegel eingearbeitet und jenen verkauft, die zu ihrem Leidwesen gerade nicht im Paradies sein können.

Apropos Pinien: Veganer reden ständig von Pinienkernen, obwohl diese scheusslich schmecken. Im Paradies gibt es keine Veganer. Veganer dürfen nicht einmal die Schokoriegel mit Kokos essen. – Nicht, weil sie denken, Kokos seien Tiere, sondern – die Ernährungs-Technologen in der Leserschaft wissen es längst – wegen der Milchschokolade, die offensichtlich aus Milch hergestellt wird (im Gegensatz zu Kinderschokolade). Aber jetzt sind wir etwas abgeschweift.

Jedenfalls ist unsere Definition des Paradieses sehr ausgrenzend, weil sie so eng gefasst ist. Könnten zum Beispiel Klippen reden, dann würden sie schreien. Sie sind nicht paradiesisch, genauso wenig wie Finnen: Im Paradies kommen nie Finnen vor. Schweizer übrigens auch nicht. Sie sehen: Das Paradies ist auch latent rassistisch. Lustigerweise regnet es im Paradies auch nie, offiziell. Auch das ist eine Lüge, natürlich, denn keine Palme wächst ohne Wasser. Also muss es ja ab und an regnen. Wo sollte denn sonst all das Kokos herkommen für unsere Schokoriegel? – Womöglich müssten wir Zuhause-Gebliebenen – die wir doch eh schon ein schweres Los haben – Schokoriegel mit Pinienkernen essen.

Das Letzte!

17. Juli 2017

Etwas Schlimmes widerfährt uns gegenwärtig: Das Einhorn ist auferstanden. Ob Schwimmhilfen, Kaffeetassen, Becher von amerikanischen Kaffeeketten, T-Shirts oder Zwangsjacken: Das Motiv ist omnipräsent. Marketingleute in ihrem unerschöpflichen Einfallsreichtum werfen so penetrant mit Einhörnern um sich, dass immer mehr Pferde mit Depressionen zu kämpfen haben. Sie schlagen aus. Es ist zum Schreien. Der Film «Das letzte Einhorn» war eine gemeine Lüge, leider. Doch was hat es auf sich mit diesem Wesen?

Da gibt es verschiedene Theorien. Eine besagt, dass Höhlenmalereien auf Einhörner hindeuten würden, wobei Höhlenmalereien – ganz im Gegensatz zu Höhlen – zweidimensional sind und der naive Betrachter glauben könnte, dass beispielsweise ein Ochse, der meist zwei Hörner trägt, ein Einhorn sei. Interpretationen von Höhlenmalereien sollten abgesehen davon per Gesetzt immer das Talent des damaligen Malers berücksichtigen. Selbst heute noch malt manch eine Frau eine Art Büffel, wenn sie eigentlich ihren Ehemann skizzieren will.

Eine Vielzahl an Biologen behauptet allen Ernstes, Einhörner gebe es gar nicht. Na ja, Hirnforscher zweifeln ja auch an der Existenz der Seele. Was man weiss: 1850 ist das letzte Einhorn bei einem an Tragik kaum zu überbietenden Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Angeblich durch eine Kollision mit einem Troll. Oder mit einem Trolleybus. Man weiss es nicht genau. Bereits lange Zeit vorher hat die letzte Einhorn-Metzgerei ihre Pforten geschlossen (sehr zum Leidwesen der Pferde).

Ewige Kritiker – und jetzt wird es ganz absurd – behaupten sogar, Einhörner habe es gar nie gegeben. Niemals. Das sind die gleichen Langweiler, die ständig sagen, es gebe keine Feen, Elfen oder Zwölfen. Oder in der S-Bahn etwa zwanzig Mal den «Öffnen»-Knopf drücken kurz vor dem Anhalten. Mögen wir, liebe Leserin, lieber Leser, hier und jetzt eine Minuten inne halten und an diese fantasielosen Menschen denken. Und an einen Regenbogen. Und an die Farbe Rosa. Und an den Weltfrieden, meinetwegen.

Egal

12. Juni 2017

Unisex-Toiletten machen das Leben noch komplizierter als es ohnehin schon ist. Während in guten, alten Zeiten nur vor Damentoiletten Meterlange Warteschlangen zu erwarten waren, drohen nun vor diesen Gleichstellungs-Genderdingsda-Toiletten bittere Unglücke zu passieren, weil die Zeit einfach nicht ausreicht. Sie mögen die Wortwahl verzeihen, doch dies ist zweifelsohne ein Scheissthema.

Die vielgehörte Aussage von Frauen, dass öffentliche Damentoiletten «viel, viel verschmutzter» seien als Männertoiletten, waren Balsam für Männer, die in anderen Bereichen bekanntlich nicht eben für besondere Reinlichkeit verschrien sind. Mit der Unisex-Toilette fällt also eine letzte Männerbastion in diesem Territorialkrieg der Chromosome, eine weitere Niederlage.

Aus psychologischer Sicht vielfach ignoriert ist die Tatsache, dass viele – ansonsten sehr toleranten – Damen ein Problem damit haben, sich auf eine Brille zu setzen, die von einem männlichen Vorgänger gewärmt ist. Nicht wenige (Männer wie Frauen) rümpfen bereits die Nase, wenn sie in einem Zugwaggon auf einen vorgewärmten Sitz platznehmen müssen. – Natürlich erst seit der Einführung von Unisex-Zugwaggons. SBB-Zugtoiletten sind seit jeher unisex, also alle in etwa gleich stark verschmutzt.

So bleibt der gepeinigten Männerseele lediglich das Pissoir, das – wie ein Fels in der Brandung – sämtliche Versuche der Gleichstellung überlebt hat. Vor ein paar Jahren würde ein Pilotversuch für Frauen gestartet, die mit einer Art Dachrinne aus Papier dem Stehpinkeln frönen durften. Offenbar scheiterte der Versuch, wobei uns die genauen Gründe unbekannt geblieben sind. Vermutlich würden die anfänglichen Probleme ausgesessen.

Fazit von diesen aus Gleichstellungs-Sicht immens wertvollen Überlegungen: Unisex ist auf jeden Fall eine Bereicherung für wirklich alle Menschen jeglichen Geschlechts. Und – fast hätte ich es vergessen: Sogar für die Frauen.

Wer hat den Grössten?

25. Mai 2017

Aus psychologischer Sicht keinesfalls zu unterschätzen ist der Kürbisneid: Hat der elende Spiesser ennet dem Zaun einen grösseren Kürbis in seinem Beet liegen als man selbst, dann kann er noch so freundlich grüssen und immerzu Kopfsalat anbieten, nein, dann hat er jegliche Sympathien verloren. Möge saurer Regen seine Parzelle heimsuchen und für immer unfruchtbar machen.

Nein, es geht hier nicht um profane Dinge wie Frau, Haus, Yacht und Auto. Es geht um Kürbisse, den Prestigeobjekten ohne Gleichen. Warum sonst findet der interessierte Gartenfreund mindestens einmal pro Jahr in der Zeitung ein Foto mit dem preisgekrönten, grössten Kürbis. Daneben stehen der stolze Züchter und die schönsten Frauen dieses Planeten, und jeder weiss: Unmittelbar nach dem Fototermin werden sie einen üblen Ringkampf darum ausführen, wer den Gärtner ehelichen darf (so ist vermutlich Schlamm-Catchen erfunden worden).

Der Siegerkürbis selbst ist so gross und schwer, dass er mit einem Hubstapler transportiert werden muss, und bietet damit dem ambitionierten Hobbygärtner, der nicht gewonnen hat, einen willkommenen Spielraum für Ausreden: «Ich hätte für den Transport durch fünfzehn andere Schrebergarten-Parzellen fahren müssen» oder «diese Diesel betriebenen Hubstapler sind doch Dreckschleudern» sind die Favoriten. Eine Frage der Ehre.

Denn zuzugeben, dass man all seine Energie in die Aufzucht eines Kürbis gesteckt und dennoch nicht den grössten gezüchtet hat, das wäre ein Gesichtsverlust, ein Zeichen für das Ungenügen. Für Impotenz. Dies gilt es unter allen Umständen zu vermeiden, denn gekränkte Hobbygärtner können sehr unberechenbar reagieren und haben Zugang zu Spitzhacken. Niemand will hier den Teufel an die Wand malen, aber, wie Krimifreunde längst wissen: Der Gärtner ist immer der Mörder. Und er hat ein Motiv.

Etile!

1. Mai 2017

Wenn wir uns über die Elite ein paar Gedanken machen, wird schnell klar: Irgendetwas stimmt da nicht. Es stinkt zum Himmel. Schreibt man Elite nämlich rückwärts, dann entsteht «Etile», was mit grosser Wahrscheinlichkeit dem Hebräischen entlehnt ist und sogar vom Altgriechischen beeinflusst scheint, – wenn nicht sogar von den alten Ägyptern. Und das, liebe Leserin, lieber Leser, kann ja wirklich kein Zufall sein. Keine Ahnung, was da zu bedeuten hat, aber merkwürdig ist es allemal. Jeder sollte täglich mindestens vierzig Worte rückwärts sagen.

Etile. Da ist es nicht erstaunlich, wenn immer mehr Menschen misstrauisch werden und denken, die Elite habe vollkommen versagt. Das Wort «versagen» kommt nämlich – das kann Ihnen jeder Germanistikstudent morgens um halb drei an der Theke erklären – von «vorsagen». Läuft etwas nicht nach Plan, zeigt jemand auf eine Gruppe und macht absurde Schuldzuweisungen. Und das Internet sagt das dann weiter. Richtig: Das Internet muss ebenfalls häufig als Sündenbock herhalten, wenn Dinge aus dem Ruder laufen. Vermutlich ist das Netz elitär. Man sollte das Internet löschen.

Wobei – um zum eigentlichen Thema zurückzukommen – die Elite natürlich schon schuld ist an der politischen Misere in Europa. Das liegt auf der Hand. Elitesoldaten sind schliesslich auch schuld am Krieg, Eliteschulen am ungerechten Bildungssystem und … – wie bitte? Aus dem Zusammenhang gerissen? Also, mit Verlaub, der Satz war noch nicht einmal zu Ende geschrieben, aber schon steht so ein Besserwisser, so ein Intellektueller auf der Matte und schreit einen nieder! – Elitär! Kein Wunder, ist dieser Text so schlecht!

Total tot

14. April 2017

Die deutsche Sprache ist heimtückisch. Wenn jemand sagt «Am Ostersonntag brauchst du nicht aufzustehen», kann das leicht als «Am Ostersonntag brauchst du nicht auferstehen» verstanden werden, irrtümlich. Das kann zu dummen Missverständnissen führen. Und zu Krieg (wir erinnern uns nur ungerne an diese Kreuzritter-Geschichte und dergleichen).

Wobei hier folgendes nicht unerwähnt bleiben darf: Das Auferstehen ist ein Privileg. Stellen Sie sich einmal vor, liebe Leserin, lieber Leser, an Ostern würden alle verstorbenen Menschen auferstehen. Das würde für Verwirrung sorgen, vermutlich. Die Lebendigen, die noch nie gestorben sind, würden auf die Lebendigen, die bereits einmal tot waren, treffen. Niemand kann genau sagen, ob das gut wäre.

Vermutlich würde ein Grossteil der Auferstandenen als erstes zu McDonalds gehen, denn da ist der Fortschritt der Menschheit am imposantesten illustriert. Genau das ist es ja, was sich ein Gestorbener mit Garantie fragt: Was ist seit meinem Tod passiert auf der Welt. Es würde bestimmt Lieferengpässe geben, denn seit es Menschen gibt, sind auch sehr, sehr viele gestorben. Ein Chaos.

Na gut, wir wollen ja nicht alles totreden. Jedenfalls ist an Ostern arbeitsfrei. Wir dürfen am Morgen liegen bleiben.

Gesundheit!

10. Dezember 2016

Unbestritten ist: Nahezu alles findet im Kopf statt. Schätzungen zu Folge sind über fünfzig Prozent der Patienten gar nicht so sehr krank, wie sie glauben. Sie wären eigentlich gesund, doch die Schulmedizin hat es versäumt, ihnen dies glaubhaft mitzuteilten, womit wir bei einem der grössten Probleme in der Kommunikation seit der Erfindung der Grunzlaute angelangt wären: Dem Ärztejargon. Viele Ärzte bauen in ihren Ausführungen ein paar Worte in Mandarin ein, um ein bisschen professioneller zu wirken. So wird die einfache Entzündung zur lebensgefährlichen Inflammatio. Brandgefährlich!

Aber zurück zum Thema Geist: Wenn nun diejenigen Patienten, die im Grunde kerngesund sind, es jedoch nicht wissen, auf verständliche Art und Weise darüber aufgeklärt würden, dass sie kerngesund sind, würden die Kosten des Gesundheitswesens nicht steigen, sondern sinken. Das ist eine Tatsache. Und weil viele Ärzte inzwischen den gesunden Menschen nicht mehr zweifelsfrei vom kranken Menschen unterscheiden können, kann die einzige Massnahme eines annähernd verantwortungsbewussten Gesundheitsministers nur in die Richtung gehen, dass per Staatsorder jeder Arzt im Land dazu angehalten wird, während – sagen wir: einem halbem Jahr – jedem Patienten zu diagnostizieren: «Gratulation, ich kann nichts finden, sie sind gesund».

Auf einen Schlag erlebt die Schweiz einen Rückgang an Krebstoten um hundert Prozent (na ja, die Anzahl der Verstorbenen mit unbekannter Todesursage wird leicht ansteigen, aber lassen wir das). Und was jeden in diesem Land zu Freudentänzen veranlassen wird: Die Krankenkassenprämien werden sinken. Und mit ihnen auch die Einkommen der Schulmediziner. Und was, liebe Leserin, lieber Leser, wird wohl passieren, wenn sich immer weniger durchschnittlich begabte Menschen für ein Medizinstudium entscheiden und den Ärzteberuf wählen? – Genau: Es kommen immer weniger Leute überhaupt erst auf die Idee, sich einzubilden, sie seien krank. Klar, ist ja keine Arztpraxis in der Nähe. Kriegen Kinder Lust auf Eiskrem, wenn keine Eisdiele in Sichtweite ist? – Eben!

Sehen Sie, das Leben ist so einfach. Bleibt bloss die Frage zu klären, was man mit all den überflüssigen Ärzten tun sollte. Die überzähligen Arztpraxen könnte man bestimmt umbauen. Zum Beispiel in Krematorien. So, das war’s für heute, auf Wiederlesen. Bleiben Sie gesund!

Fifi bringt’s

1. Dezember 2016

Was viel zu selten zur Sprache kommt, ist das Wohlbefinden der Tiere. – Also, nicht der eifrig gejagten Kreaturen, denn davon laufen ja viel zu viele in heimischen Wäldern herum, weswegen wir sie von ihrem Elend befreien und verspeisen müssen (die haben es verdient). Nein, es geht um die vielfach unterschätzten und häufig nur flüchtig getätschelten Jagdhunde. Sie haben keine Lobby.

Das Prinzip total einfach: Der Jäger schiesst eine Ente und schickt seinen Hund vor um ebendiese zu suchen und herzubringen. Der Jargon nennt das Apportieren oder allenfalls «Ente doggy-style», je nach Anlass. Grössere Tiere wie zum Beispiel Hirsche oder Nashörner werden selten apportiert. In diesen Fällen führt der Hund sein Herrchen zur totgeschossenen Kreatur. Das kann natürlich zu post-traumatischen Symptomen führen. Oder zu Zeckenbissen.

Gar nicht auszumalen, was sich «Bello» oder «Rex» denkt, wenn ihn sein Herrchen zum soeben erlegten Geschöpf kommandiert. Sollte er nun gehorchen und das Tier apportieren (beziehungsweise sein Meister hinführen) oder – sofern es aufgrund stümperhafter Zielsicherheit des Jägers nur angeschossen ist – erste Hilfe leisten, wie es der internationale Hundekodex gemäss Genfer Konvention vorsieht? Oder gar selber fressen und nach der Rückkehr so lange herumwinseln, bis die Grünmäntel glauben, man hätte sich verlaufen oder etwa anderen Menschen gedient (Hänsel und Gretel über die Strasse geholfen oder so). Zeckenbisse können eitern.

Sie sehen: Es ist ein Dilemma, und man spricht nicht umsonst von einem «Hundeleben». Dabei trifft es nicht alle Hunderassen gleich hart: Dackel zum Beispiel haben so kurze Beine, die können kaum über im Weg liegende Baumstämme springen. Sie wurden in einer Zeit gezüchtet, als das Jagen auf Parkplätzen und Autobahnen noch erlaubt war, und sind für heutige Verhältnisse kaum geeignet. Man darf hier bedenkenlos von Tierquälerei sprechen.

Wenn Sie, liebe Jagdfreundin, lieber Jagdfreund, nun einwenden, dass die Jagdsaison ja nicht allzu lange (viel zu kurz!) dauere und sich die oben beschriebenen seelischen Belastungen unserer vierbeinigen Freunde darum in Grenzen halten dürften, dann sei angemerkt: Man rechnet immer ein Menschenjahr als sieben Hundejahre. Ergo kann ein dreitägiger Jagdausflug ins Bündnerland für Ihren Hund zu einer einundzwanzigtägigen psychischen Tortur werden.

Darüber sollten wir einmal nachdenken. Und – bevor ich es vergesse – noch etwas: Weidmanns Heil. – Und guten Appetit!

Bambi ist tot!

28. November 2016

Wenn Sie ein Reh sind, dann müssen Sie aufpassen. Seit dem Disney-Film «Bambi» scheint es Jägern besonders viel Vergnügen zu bereiten, Rehe zu erschiessen. Wobei aus Gründen der Fairness nicht unerwähnt bleiben sollte, dass eine Vielzahl dieser Tiere auch von Autos angefahren wird. Nicht, weil sie an der Ampel rot und grün nicht unterscheiden könnten, sondern weil sie – vermutlich beim Versuch, Jägern die Zunge herauszustrecken – etwas ungeschickt die Strasse queren. Und beim Blick in die Scheinwerfer des Fahrzeugs sogar stehen bleiben um die Chancen des Lenkers zu erhöhen, es zu treffen.

Ja, ein Rehleben ist voller Gefahren. Wer als Kitz nicht bereits in der hohen Wiese dem Mäher des Bauers zum Opfer fällt, wird überfahren, geschossen oder stirbt vermutlich aus Angst davor, überfahren oder geschossen zu werden (manche werden angefahren und dann erschossen). Jedenfalls weiss man von keinem einzigen Reh, das einfach nur glücklich und zufrieden alt geworden und dann eines natürlichen Todes gestorben wäre (Bambi ist übrigens am Ende des Films auch nicht gestorben, was Zoologen bis heute vor grosse Rätsel stellt).

Was also tun, wenn man das unermessliche Pech hat, ein Reh zu sein und nicht auf dem Gasgrill oder im Kühlergrill enden will? Tierfreunde raten, sich untereinander abzusprechen, so ähnlich wie Krähen, die sich gegenseitig vor Gefahren warnen. – Mit Erfolg, denn Krähen landen nur sehr selten auf dem Teller. Anfänglich waren die Absprachen unter Rehen auch erfolgreich. Mit der Zeit merkten das jedoch die Jäger mit dem Resultat, dass sich heute die Jäger auch untereinander absprechen. Nein, die Welt wird nicht einfacher.

Will man jüngsten Meldungen Glauben schenken, dann werden seit kurzem auch Nachtsichtgeräte eingesetzt. Doch – mögen wir, die wir doch ein bisschen Partei ergreifen für das Wild, einwenden – was nützt schon ein Nachtsichtgerät, wenn auf einen geschossen wird. Ich wünsche jedenfalls allen Rehen viel Glück. Den Hirschen auch, übrigens. Und natürlich Bambi.