Archive for the ‘Pissoir Michelin’ Category

Neulich bei McDonald’s

31. August 2014

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Na ja, man kann’s auch übertreiben mit der Werbung für wasserlose Pissoirs …

Pissoir Rating #15, Kino Rex, Burgdorf BE

19. August 2014

Meine Herren, wenn Sie ins Kino Rex in Burgdorf gehen, dann nehmen Sie Bargeld mit. Wer bezahlt schon Kinokarten mit Karte, nur Bares ist Wahres. Doch zum Wesentlichen: Im Kellergeschoss wartet eine echte Perle auf den Pinkelfreund, so schlicht und ehrlich, einfach und zweckmässig. Nein, Wohlgefühl muss nicht mit Modernität einher gehen!

Die Spülung funktioniert mit einem Drehhahn – wann haben wir das zum letzten Mal gesehen? – Herrlich. Schon damals – das Gebäude stammt vermutlich aus den Dreissigern – wurde auf die Dreierregel acht gegeben. Vom Design ganz zu schweigen: Vintage-Chic auf ehrlich unfreiwillige Art. Musik: Pustekuchen! Duftsteine und unnützer Firlefatz ebenfalls. Weisse Fliesen, und: Keine Tags und Schmierereien.

In unserer Wertung schlägt denn auch die puristische Einfachheit zu Buche: Wir verleihen Note 5.5 und katapultieren mit diesem Rating die Toilettenanlage des Kino Rex auf den Olymp des Pissoir Michelins. Sauberkeit gepaart mit einem nostalgischen Touch – eine Freude für Männerherzen. Burgdorf, das Tor zum Emmental, bietet eben mehr als nur ein Kino ohne Kartenleser. Probieren Sie es aus! Der Film war übrigens super. Aber wen interessiert das schon.

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Kino Rex, Burgdorf, 2013

 

Pissoir Rating #14, Ristorante Cooperativo, Zürich

18. Januar 2014

Lange ist’s her, seit dem letzten, fachmännischen Rating eines stillen Örtchens für drückende Männerblasen. Daher soll es ein regelrechtes Schmankerl sein: Das Cooperativo im Kreis 4 mit seiner langen Tradition, sozusagen die kulinarische Huldigung des Sozialismus. Trotz apolitischem Credo dieses Blogs erlaubt sich der interessierte Leser die Frage: Wie biseln Sozis?

Beim Betreten der Toilettenanlage sticht sofort ins Auge, dass hier Kenner am Werk gewesen sein müssen: Die zwei bewundernswert unspektakulär angelegten Pissoirs ersparen dem Wasserlasser die zermürbende „Links-Mitte-Rechts“-Frage und laden ihn ein, eine klare Richtung einzuschlagen. Das wirkt sich sehr positiv auf die Wertung aus, denn nicht selten wurde in diesem Blog die ungerade Anzahl an Becken scharf kritisiert: Drei Pissoirs nebeneinander laden den Gänger geradezu ein, den Fauxpas zu begehen und die eiserne Regel zu brechen, bei drei unbesetzten Startplätzen auf keinen Fall den Mittleren zu wählen.

Wer empfindliche Nasenschleimhäute sein Eigen nennt, sollte im Cooperativo auf einen Toilettengang verzichten. Die Klosteine mit Limettenduft wirken bis weit in den Treppenbereich ausserhalb der Anlage und signalisieren nicht nur, dass hier der Sauberkeit einen grossen Stellenwert eingeräumt wird sondern können bedenkenlos als eine Ode an die Chemiekeule schlechthin gedeutet werden. Es wirkt, als könnte man in die Luft beissen und sodann ein grosses Stück Limette im Mund halten. Das gibt Abzug.

Auf eine musikalische Untermalung des Geplätschers wurde verzichtet; Das Risiko von Menschenansammlungen bei (zu) guter Musik entfällt. – In der Wertung allerdings schlägt sich dies negativ nieder, denn für ein stressfreies Pinkelvergnügen sind Hintergrundgeräusche – und damit sind nicht die Geräusche aus den verschliessbaren Kämmerchen nebenan gemeint – unabdingbar. Die kleinen, grünen Fliesen sind in einem solchen Ausmass kitschig, dass sie im Rating positiv berücksichtigt werden.

Alles in allem eine sehr gepflegte, angenehme Anlage. Es wird nichts erzwungen und empfängt Männerherzen mit einem unspektakulären, ehrlichen Charme.

Wir erteilen eine glatte 5.

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Ach ja, nebenbei sei gesagt: Die Pizze des Cooperativo sind einfach super. Und preiswert. Und irgenwie spürt man bei jedem Bissen den entschlossenen Klassenkampf. Mit Limetten.

Pissoir Rating #13, Caffé Florian, München

9. Oktober 2012

München, das ist nicht nur gepflegtes Biertrinken am Oktoberfest, nein, weit gefehlt. Der anspruchsvolle Pinkelfreund findet eine überraschend gepflegte Urinierkultur vor – zumindest im Caffé Florian in Schwabing (http://www.caffe-florian.de/).

Was im Lokalinnern implizit an Schickimicki angekündigt wird, bewahrheitet sich spätestens beim Gang zum Wasserlassen: Stilvoll, etwas kühl vielleicht und angestrengt nüchtern stehen dem Gänger ein paar formschöne Pissoirs zur Auswahl. Pluspunkte bringt sicherlich der diskret abgerundete, in bläulichem Milchglas gehaltene Sichtschutz, der Längenvergleiche und allzu heftige Emissionen flüssiger Natur zu verhindern weiss. Der Nachbar dankt.

Was den einen Freudentränen in die Augen treibt, ruft bei den anderen Brechreiz hervor: Die – zugegeben etwas lieblos – zugefügten Duftsteine dürften in Expertenkreisen für abendfüllende Diskussionen sorgen. Tatsächlich irritieren die WC-Accessoires die Zielgenauigkeit und vor allem die Nasenschleimhäute des Gastes enorm. Nicht eben von ästetischem Vorteil sind die billigen Plastikgitterchen, die das Absinken eben dieser Duftsteine zu verhindern wissen (die Kanalratten werden der Menschheit dafür danken). Das gibt natürlich Abzüge.

Nichtsdestotrotz vergeben wir dem stillen Örtchen des Caffé Florian eine gut gesinnte 4.5, was es in den oberen Bereich der Rangliste unseres Pissoir Michelins katapultieren dürfte. Die Sauberkeit schlägt sicherlich als grosses Plus zu Buche. Also: Hingehen uns sich selber überzeugen. Auf Wiederlassen!

Pissoir Rating #12, Lirum Larum, Bern

29. Juni 2012

Ein Lichtblick für Teile des Mannes, die das Tageslicht in der Regel nicht allzuoft erblicken ist zweifelsohne das Lirum Larum an der Kramgasse 19 in Bern. Das Café selbst ist übrigens sehr schön und zweifelsohne einen Besuch wert. Aber kommen wir zu den elementaren Dingen: Für die Toilettenanlage – aus architektonischer Sicht eher seicht und nicht sonderlich herausragend – hat sich Managerin Alice Schwarzer etwas besonderes für die Zielbecken einfallen lassen. Directors Cut. Oder: Die Geburt des gepflegten Pissoirhumors. Ja, das mit Alice war ein Scherz, sorry.

Das Ganze erinnert ans Autotuning: Aus einer genormten 0815-Schüssel (z.B. Golf GTI) wird nach ein paar wenigen, stylischen Anpassungen ein Augenfang, worin man gerne sein Geschäft verrichtet (okay, okay, bleiben wir anständig). Der Vergleich hinkt ohnehin, weil getunte Autos im Volksmund eher als Verlängerung gelten, nicht als Kürzung. Auf dem zweiten Pissoir der Anlage ist übrigens ein Fleischwolf abgebildet.

Sanfte Gemüter sollten dieses Café nur mit bereits entleerter Blase besuchen. Es wurde bereits von traumatisierenden Pinkelerlebnissen berichtet. Das Repertoire reicht vom desillusionierenden Harnstau bis zu Alpträumen, die mit nicht zugelassenen Medikamenten behandelt werden mussten. Manch einer kommt etwas nachdenklich zurück an den Tresen nach dem Wasserlassen. Aber wer will schon kritisch sein.

Wer als akustische Untermalung Musik à la Hitchcocks Psycho erwartet hätte, sieht sich enttäuscht. Es rieselt die normalste Musik der Welt auf den Pinkler hernieder – so normal, dass sich der Bewerter nicht einmal daran erinnern kann. Das gibt Abzüge. Insgesamt werfen wir jedoche eine glatte 5 ins Rennen. Denn die Idee ist in der eher düsteren eidgenössischen Pissoirlandschaft ein heller Schein am Horizont. Bravo!

schnipp schnipp

schnipp schnipp

Pissoir Rating #11, Hotel Aarauerhof, Aarau

10. Dezember 2010

So. Nach längerer Pinkelpause endlich, endlich wieder ein Beitrag in der Rubrik «Pissoir Michelin». Na ja, die Welt kriegt das, was sie verdient. Heute, liebe Herren, nehmen wir die sanitären Anlagen des Hotel Aarauerhof an der Bahnhofstrasse in Aarau ins Visier. Wir werden treffen.

Als erstes ein grosses Kompliment: Die Musik ist absolut adäquat, nicht zu laut und im Stile von irgendwas chilligem, was man nicht kennt, sich aber auf jeden Fall wünschen würde auf einer einsamen Insel, als Ohrenschmaus zum Kokosnüsse-Sammeln, Krabbenfischen – oder eben: zum Pinkeln.

Ebenfalls positiv fällt die Sauberkeit auf, ja, es war geradezu verdächtig sauber. Als ob viele Männer den guten, alten Stehpinkel-Standard gar nicht mehr schätzen würden und lieber in den eigenen vier Wänden als im Aarauerhof pinkeln würden.

Das alles würde diesem Rating satte 5 Sterne bescheren, wäre da nicht dieser eine Makel, dieser eine, absolute No-Go. In früheren Berichten hatte ich mich bereits sehr wohlwollend über die kommerzielle Zusatznutzung von Toilettenanlagen inform von Werbung geäussert. Hier allerdings wurde eine Grenze überschritten:

Während ich mein Geschäft verrichte, was – die Natur der Sache will es so – mit sich bringt, sein edles Stück in der Hand, oder zumindest in den Fingern zu halten, lese ich Dinge wie «Edelstücke vom Rind» oder «Jingle Bells».

Verstehen Sie mich nicht falsch, meine Herren, während des Wasserlassens vom Essen zu lesen ist an sich nichts Verwerfliches. Aber, liebe Hoteliers: Bitte auf die Menünamen achten und Analogien vermeiden. Fleischvögel, Ochsenschwanzsuppen und – eben – Jingle Bells mögen im Speiseraum gerne gelesen werden, gehören in den Augen der Jury allerdings nicht über Pinkelbecken. Basta.

Wir vergeben schweren Herzens eine satte 4. Nicht, dass wir von Pinkelhorror oder gar traumatischen Erlebnissen berichten müssten, doch fällt die eben erwähnte, suboptimale Werbung sehr negativ ins Gewicht. Gut, man kann darüber lachen. Was allerdings – Kenner haben’s gemerkt – der Treffsicherheit nicht eben zuträglich ist.

Was bleibt ist ein schaler Nachgeschmack, den auch das Edelstück vom Rind nicht hat wettmachen können.

Pissoir Rating #10 – Skebe Zürich

30. Juli 2010

Mit Werbung auf Toiletten ist das so eine Sache: Stehe ich also da am Säule-Pflanzen und erblicke unweigerlich ein Bild von einem behaarten Fussball. Genau: Ein behaarter Fussball. Und die Schwerter von Wilkinson schreiben mir die Botschaft

Hair Off My Stuff

So. Dem kritischen Stehpinkler stellt sich unweigerlich die Frage, ob ein Pissoir-Rating mit einer sozialkritischen Bemerkung zur Werbung beginnen soll und darf.

Ja, es darf. Gerade in Momenten des vermeintlich ungezwungenen Wasserlassens ist einerseits die Erinnerung an Dschungel-Ähnliche Verhältnisse in der Lendengegend (viele würden sagen „in der Hirnregion“) nicht eben angebracht und sollte trotz skrupelloser Ausschlachtung des Themas Fussball tunlichst vermieden werden. Was natürlich in Zeiten des unfehlbaren Kapitalismus eine zugegeben gewagte Aussage ist. Wo gepinkelt wird, wird auch geworben. Wird auch verkauft. Und sei es noch so eine geschi… Werbung. Verzeihung.

Das alles soll natürlich nicht zu sehr vom eigentlichen Inhalt dieses Ratings ablenken: Vom Pinkelerlebnis. Das Skebe an der St. Urbangasse 4 in Zürich, gleich beim Bellevue, ist eines dieser sogenannten Trendlokale, wobei das wesentliche Merkmal von selbst ernannten Trendlokalen wohlgemerkt ist, dass es keine Trendlokale sind. Item.

Was der stilvoll eingerichtete Essbereich verspricht, hält auch das Herrenklo: Mann – und das ist ein Highlight für jeden Urinstrahl – pinkelt in Aluminium-Pissoirs. Aluminium! Meine Herren, das jahrelange Joghurt-Deckel-Sammeln hat sich gelohnt. – Es lebe das Recycling! Nieder mit der Wegwerfgesellschaft!

Ich gebe jedem Leser Recht, der den Kontext zwischen Joghurt und Pissoir als bedenklich taxiert, weshalb wir der Einfachheit halber behaupten, Designer-Schüsseln seien aus frisch gewonnenem Alu produziert worden. Jedenfalls schätzt ein jedes Ohr das merklich angenehmere Geräusch, das der sorgfältig gezielte Stahl verursacht.

Weniger positiv fällt der unschöne Gestank ins Gewicht, was zweifelsohne weniger mit der einfallslosen asiatischen Küche als viel mehr mit légèrem Putzverhalten der Designer-Reinigungskräfte zu tun haben dürfte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Insgesamt sind wir mit „genügend“ gut bedient und geben die Note 4 mit Gegenwind.

Kulinarisch gesehen war der Besuch im Skebe übrigens – Sie verzeihen mir diese belanglosen Informationen – ein Erfolg: Hamburger mit Beilagen wie z.B. Nachos. Also, hingehen lohnt sich allemal. Und ja, wie soll ich sagen, will ja nicht brüskieren, vergessen Sie nicht: Hair Off Your Stuff!

Pissoir Rating #9 – McDonald’s Restaurant, Zeitglockenlaube Bern

21. April 2010

Bern ist schön. Unbestritten. Und gerade bei Touristenmagneten wie dem Zeitglockenturm werfen Kenneraugen natürlich einen besonders kritischen Blick auf die sanitären Anlagen. Ausländische Herren sollen ja zu Hause von prägenden Erlebnissen erzählen können. Da drängt sich ein Rating bei einer urschweizerischen Institution geradezu auf.

Hand in Hand mit der Frage, warum neben nahezu allen historischen Monumenten oder Sehenswürdigkeiten dieser Welt (als ob ich das wüsste!) entweder eine Starbucks- oder eben eine McDonald’s-Filiale steht. Auf diese Frage kann und will ich nicht eingehen, weil dies unweigerlich in politische Sphären führen würde, was niemand, niemand von uns will, glauben Sie mir.

Na gut, McDonald’s-Filialen hatten wir schon Mal im Rating. Und so grosse Unterschiede kann es ja nicht geben, oder? Die Fastfood-Kette ist ein sicherer Wert in Sachen Sauberkeit. Was mir bis anhin nicht aufgefallen ist in anderen Filialen: Das Wickelbrett ist – wie in den Couchette-Nachtzügen das Bett – zur Wand hinaufgeklappt und lädt zum Verweilen ein. Im Unterschied zu vielen anderen Orten ist bei McDonald’s der Wickelraum nicht im Damen-WC untergebracht. Von wegen Diskriminierung Kinderscheisse-Putzender Männer. Danke, Alice Schwarzer! (ach, nein, Du bist ja gegen Kinder, sorry).

Ebenfalls positiv schlägt sich das ungemein gute Gefühl des wasserlosen urinierens nieder. Genauer gesagt, das Verrichten des kleinen Geschäfts in sogenannte Urimate, die Chemie sei Dank ohne Wasser funktionieren, was McDonald’s (vergl. auch Pissoir Rating Autobahnraststätte Kölliken) jedem Säulenstellenden auch kundtut. Tue Gutes und sprich darüber: „Ohne Wasser Wasser lassen“ oder „McDonald’s ist seit 2002 trocken“ lauten die Slogans.

Der Riese spart 22 Millionen Liter Wasser pro Tag. Oder Jahr, meinetwegen. Und das, meine Herren, ist schon ein ungemein tolles gefühl. So beim Pinkeln. Sie müssen sich das einmal vorstellen. Ja, stellen Sie sich einmal – sagen wir – stellen Sie sich einmal 22 Millionen Literflaschen Cola vor, die auf einem Parkplatz stehen. So viel ist das. Oder, nein, sagen wir Fantaflaschen (okay, den nehm ich zurück, der ist etwas eklig. Wobei es ja eigentlich um das Spülwasser geht). Na also. Geil, oder?

Nach zweimaligem Lesen des Slogans „McDonald’s ist seit 2002 trocken“ gerate ich allerdings ins Grübeln. Nicht, dass während des Pinkelns für zivilisierte Leute besonderer Anlass gegeben wäre, nachzudenken, nein. Es ist auch nicht so, dass ich speziell viel Wasser gelassen hätte. Es war einzig und allein der Spruch. Wird hier ein Kontext zwischen Pinkeln und Alkoholismus geschaffen? Oder zwischen Fastfoodkonsum und Alkoholikern? Fragen über Fragen.

Wir vergeben folglich Note 4.5. Positiv ist schlägt sich zweifelsohne die Hygiene nieder. Negativ hat sich sicherlich der Umstand ausgewirkt, dass der Zeitglockentum vom stillen Örtchen her nicht gesehen werden kann. Lächerlich? – Keineswegs. Wo sonst als beim entspannten Wasser lassen könnte denn sonst der Blick auf das Berner Wahrzeichen besser genossen werden? Denn, wissen Sie: Bern ist schön. Unbestritten. Egal ob Cola oder Fanta.

Pissoir Rating #8 – Bar & Restaurant Imagine, HB Zürich

2. April 2010

Widmen wir uns liebevoll dem legendären Restaurant Imagine am Bahnhofplatz 15 in Zürich. Untergebracht im historischen Bahnhofsgebäude, Seite Bahnhofstrasse, brilliert das Imagine mit gutem Essen, mittleren Preisen und konsequent umgesetzter unhöflicher Bedienung. Die stylische, moderne Einrichtung ist recht gekonnt ins alte Gefüge des Gebäudes eingebracht. Sehr schön.

Dies wäre nicht der unfehlbare Blog, wenn wir hier über profane Dinge wie Essen & Trinken lesen würden. Natürlich geht es ums gepflegte Pinkelerlebnis der Herren der Schöpfung. Wobei Herren der Schöpfung eine sehr dumme Bezeichnung, Wortschöpfung ist, wie ich finde. Egal

Jedenfalls sieht sich die volle Blase des Mannes – oder zumindest das Gehirn ein paar Fuss weiter oberhalb (oder meinetwegen ein paar Zentimeter unterhalb, sorry, liebe Cosmopolitan-Leserinnen) – einem Wirrwarr von Treppen, Fluren und nicht vorhandenen WC-Wegweisern gegenüber. Merke: Toilettengang gut planen. Es kann schon mal ein bisschen dauern, bis Sie sich durchgefragt haben. Wobei sich die Kellner offenbar inzwischen an fragende Gäste gewöhnt haben und bei jedem Blick, der irgendwie in der Rubrik „der will etwas fragen“ fungiert in Richtung Toilette bzw. Eingang des Labyrints zur Toilette deuten. Selbst wenn Sie nur nach einem Zahnstocher oder einer Serviette fragen wollen. Oder nach einem Feuerlöscher.

Jetzt kann man ja hingehen und sagen „na ja, für ein angenehmes Wassersäulen-Stellen frage ich gerne nach dem Weg“ und die Sucherei wohlwollend in Kauf nehmen. Tun Sie das nicht, lieber Leser. Sie werden bloss enttäuscht. Endlich, endlich am stillen Örtchen angekommen erwarten Sie drei Pissoirs in eher herausforderndem Zustand. Gemessen am schönen Ambiente in Bar und Restaurant nicht eben ein Augenschmaus. Vernachlässigbar? – Nein, so geht das nicht. Das Auge pinkelt schliesslich mit.

Das Flair ist lieblos, und gerade in einer stylischen Bar, in der alle so furchtbar hip sind und der DJ so unglaublich tiefschürfende Lounge-Musik auflegt, dürfte sich der annähernd anspruchsvolle Gast eine musikalische Untermalung des Toilettenganges wünschen: Fehlanzeige. Das Waschbecken schliesslich ergänzt hervorragend die profan-langweilige Innenarchitektur der Anlage.

Ich hätte bei der Benotung gerne ein Auge zugedrückt. Doch die Mängel sind unverkennbar und so ist die Note 3 doch angebracht, was bei den eher selbstbewussten Preisen in der Bar und im Restaurant doch ins Gewicht fallen dürfte. Wir zahlen ja gerne. Doch dann muss eben alles stimmen, nicht nur das Getränk und die gute Gesellschaft.

Übrigens: Es gibt auch ein Imagine im Sihlcity in Zürich. Und ich habe es bisher versäumt, dort essen bzw. pinkeln zu gehen und der Welt von einem allfälligen, einheitlichen Toilettenkonzept zu berichten. Wer weiss, das kann ja noch werden.

Pissoir Rating #7 – Youcinema Oftringen AG

22. Januar 2010

Man kann Multiplex-Kinos mögen oder nicht. Ich mag sie nicht, sie sehen überall auf der Welt gleich aus. Natürlich kann ich das nicht beurteilen, es klingt jedoch furchtbar kosmopolitisch, sich das sagen zu hören. Genau genommen war ich im Ausland erst einmal in La Paz (Bolivien) und Quito (Ecuador) in Multiplex-Kinos. Die sahen exakt gleich aus wie jene in Oftringen AG oder Emmen LU. Nach amerikanischem Muster halt. Wahrscheinlich haben sich da mal ein paar Architekten zusammen mit einer Dose LSD-Trips ein paar Tage in einer Zweizimmerwohnung eingeschlossen und sich gesagt: „So, jetzt planen wir mal ein Kino, das alle Menschen auf diesem Planeten toll finden.“ Gut, mit mir haben die offenbar nicht gerechnet. – Egal, diese wohlgemerkt sehr subjektiven Aussagen sollen in der Wertung des Pissoir-Michelin keinen Platz finden. Also, zurück zum eigentlichen Thema. Nachdem die erste Halbzeit des Films „Haben Sie schon das von den Morgans gehört“ oder so ähnlich (vergl. Filmkritik) in etwa so amüsant war wie die Schlacht um Stalingrad suchte ich also die Toilettenanlagen im Youcinema Oftringen auf. Sie wissen schon, das Oftringen, in dem der Baumarkt OBI steht, wobei sich der geschulte Handwerker schon immer gefragt hat, ob OBI auch Toilettenanlagen hat, was ja eigentlich sein müsste, weil ein Grossteil eines Handwerkerlebens in eben diesem OBI stattfinden dürfte, mit all seinen natürlichen Bedürfnissen. Auch egal. Jedenfalls betrete ich das Herren-WC und denke mir sofort: „Nein, Rizzitelli, nein, das ist nicht nach Feng Shui gebaut worden.“ Und tatsächlich war ich auf einen Schlag total überfordert ob der zirka zehn (!) Pissoirs zu meiner linken Seite und ein paar Kabäuschen zu meiner rechten. Blöd. Gerade weil die Meisten Menschen Rechtshänder sind und statistisch bewiesen ist, dass gerade Rechtshänder tendenziell dazu neigen, ein bisschen links zu gehen, wenn sie einen Raum betreten. Der Grund liegt angeblich im Instinkt, den rechten Arm frei zu haben um sich bei Gefahr verteidigen zu können. Übertragen auf die Toilettenanlagen im Youcinema Oftringen heisst das, dass Sie exakt in die Urinale hineinlaufen, was eher unschön ist, was jeder Mann bezeugen kann, dem dies schon einmal passiert ist. Gut, das gibt schon mal Feng Shui-Abzug. Die Anzahl ist ebenfalls zu hoch: Zu viele Köche – Entschuldigung: Zu viele Wahlmöglichkeiten sind nicht gut. Wenn – sagen wir – über 5 Pissoirs in einer Reihe stehen, dann kommt Unschlüssigkeit auf. Was zu Stau führt. Der Personen. Es sollte aus maskulin-humanistischen Gründen daher eine EU-Richtlinie geben, die eine maximale Anzahl festlegt. Wobei, da bin ich ganz offen, Oftringen meines Wissens nicht in der EU ist. Was natürlich kein Grund ist, hier in diesem Blog politisch zu werden, schon gar nicht beim Thema Pinkeln. Eine grössere Ansammlung von WCs erinnert gut und gerne an den Film „Full Metal Jacket“, wo sich in einer Szene – viele behaupten, es sei die beste Szene des Films überhaupt – ein Soldat auf der Toilette fachmännisch die Kugel gibt. Also, fernbleiben von zu vielen Toiletten! Wobei zugegeben in grösseren Betrieben logischerweise eine grössere Anzahl an Pissoirs bereitstehen muss, jedoch – Achtung! – immer eine ungerade Zahl. Warum? – Damit Mann die goldene Mitte wählen kann. Das ist wie beim Schweizer Bundesrat, wobei ich mich davor hüten werde, hier einen kausalen Zusammenhang zwischen Urinalen und dem Bundesrat herzustellen. Jedenfalls lässt der zielsichere Mann seine Notdurft auch in Oftringen in Becken der Marke Urimat, das heisst, in Urinale, die kein Wasser benötigen. Im Gegensatz zum McDonald’s in Kölliken (vergl. Rating) plätschert man hier nicht mit dem guten Gewissen, schweizweit 22 Millionen Liter Trinkwasser jährlich einzusparen. Schade. Dafür müssen wir Notenabzug geben, sorry! Ebenfalls Abzug geben die Werbeplakate, die vor jeder Station platziert sind. Nicht, weil sie dem ungezwungenen Wasserlassen einen kommerziellen Beigeschmack verleihen, nein, weil nicht an jedem Pissoir die gleiche Werbung hängen ist. Will heissen: Freunde des neuzeitlichen Marketings sind gezwungen, ihre Notdurft einzuteilen und sich an verschiedene Pissoirs zu stellen, um alle Botschaften lesen zu können. Was nicht selten zu irritierten Blicken der nichtsahnenden Mitpinkler führen kann, gerade wenn das Timing zwischen den einzelnen Phasen noch nicht einwandfrei funktioniert. Und noch einmal eine Abwertung gibt das Fehlen von Musik, was umso mehr ins Gewicht fällt, weil der Urinierende eben in einem Multimedia-Spektakel war (Bild und Ton) und sich danach dem schönen oder weniger schönen Klang verschiedener Geplätscher aussetzen muss. Eine der Stationen war mit einem Schild als defekt markiert, wobei unaufmerksame Mitarbeiter trotzdem die Werbung nicht entfernt haben, was zu nicht konfliktfreien Szenen führen kann, wenn sich Freunde der gepflegten Werbebotschaften keinen der Slogans entgehen lassen möchten, was wiederum heisst, dass Mann eben auch dieses eine defekte Becken berücksichtigt um nichts zu verpassen. Das führt früher oder später zu verständislosen Blicken und vor allem zu nassen Füssen. Fazit: Warten Sie ein paar Wochen und kaufen Sie dann die DVD des Films. Gehen Sie nicht in dieses Kino, und wenn, dann sicher nicht auf diese Toiletten. Wir vergeben die Note 2. Ist zwar hart, aber wie gesagt: Mann kann Multiplex-Kinos mögen oder nicht. Genauso ist es mit Multiplex-Pissoirs.