Fifi bringt’s

Was viel zu selten zur Sprache kommt, ist das Wohlbefinden der Tiere. – Also, nicht der eifrig gejagten Kreaturen, denn davon laufen ja viel zu viele in heimischen Wäldern herum, weswegen wir sie von ihrem Elend befreien und verspeisen müssen (die haben es verdient). Nein, es geht um die vielfach unterschätzten und häufig nur flüchtig getätschelten Jagdhunde. Sie haben keine Lobby.

Das Prinzip total einfach: Der Jäger schiesst eine Ente und schickt seinen Hund vor um ebendiese zu suchen und herzubringen. Der Jargon nennt das Apportieren oder allenfalls «Ente doggy-style», je nach Anlass. Grössere Tiere wie zum Beispiel Hirsche oder Nashörner werden selten apportiert. In diesen Fällen führt der Hund sein Herrchen zur totgeschossenen Kreatur. Das kann natürlich zu post-traumatischen Symptomen führen. Oder zu Zeckenbissen.

Gar nicht auszumalen, was sich «Bello» oder «Rex» denkt, wenn ihn sein Herrchen zum soeben erlegten Geschöpf kommandiert. Sollte er nun gehorchen und das Tier apportieren (beziehungsweise sein Meister hinführen) oder – sofern es aufgrund stümperhafter Zielsicherheit des Jägers nur angeschossen ist – erste Hilfe leisten, wie es der internationale Hundekodex gemäss Genfer Konvention vorsieht? Oder gar selber fressen und nach der Rückkehr so lange herumwinseln, bis die Grünmäntel glauben, man hätte sich verlaufen oder etwa anderen Menschen gedient (Hänsel und Gretel über die Strasse geholfen oder so). Zeckenbisse können eitern.

Sie sehen: Es ist ein Dilemma, und man spricht nicht umsonst von einem «Hundeleben». Dabei trifft es nicht alle Hunderassen gleich hart: Dackel zum Beispiel haben so kurze Beine, die können kaum über im Weg liegende Baumstämme springen. Sie wurden in einer Zeit gezüchtet, als das Jagen auf Parkplätzen und Autobahnen noch erlaubt war, und sind für heutige Verhältnisse kaum geeignet. Man darf hier bedenkenlos von Tierquälerei sprechen.

Wenn Sie, liebe Jagdfreundin, lieber Jagdfreund, nun einwenden, dass die Jagdsaison ja nicht allzu lange (viel zu kurz!) dauere und sich die oben beschriebenen seelischen Belastungen unserer vierbeinigen Freunde darum in Grenzen halten dürften, dann sei angemerkt: Man rechnet immer ein Menschenjahr als sieben Hundejahre. Ergo kann ein dreitägiger Jagdausflug ins Bündnerland für Ihren Hund zu einer einundzwanzigtägigen psychischen Tortur werden.

Darüber sollten wir einmal nachdenken. Und – bevor ich es vergesse – noch etwas: Weidmanns Heil. – Und guten Appetit!

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