Ab durch die Mitte

Frankreich ist ein zentralistischer Staat. Im Fussball ist dies klar und deutlich zu erkennen. Torchancen der «Bleus» haben mit statistisch relevanter Häufigkeit ihren Ursprung im zentralen Mittelfeld, entweder von rechts oder links. Sagenhafte hundert Prozent der Elfmetertreffer erfolgen durch die Mitte. Die meisten Tore kassieren die Franzosen denn auch von Gegnern, deren Nation nicht zentralistisch organisiert ist. Der Schweizer Sturm zum Beispiel greift auffallend oft über die linke Seite an. – Von den Franzosen aus gesehen.

Das Tor steht in der Mitte. Die Regeln wollen es so. Auch das spielt Frankreichs Fussballern in die Hände. Denn der Kopf des französischen Spielaufbaus ist ganz klar das zentrale Mittelfeld. Nicht verwunderlich also, dass an der Weltmeisterschaft 2006 Zinédine Zidane mit dem Kopf einen italienischen Gegenspieler niedergestreckt (Jargon: geköpft) hat. Das Köpfen hat bei unseren westlichen Nachbarn eine lange Tradition. Auch das ist zentral. Manchmal befiehlt der französische Trainer Didier Deschamps eine Aufstellung mit einer hängenden Spitze. Das steht hier völlig ohne Zusammenhang, ich weiss.

Es gibt Fussballexperten, die sagen, Fussball sei eine reine Kopfsache. Manchmal sagt das sogar unsere helvetische Lieblings-Fussballexpertin Alain Sutter (Alain ist sozusagen das sportliche Pendant zum Bildungs-Guru Beat Zemp, der immer die Hand hebt, wenn in den Medien das Wort «Schule» fällt). Sollte Fussball tatsächlich eine reine Kopfsache sein, dann wäre das natürlich ein immenser Vorteil für «L’Èquipe tricolore». Ein Schelm, wer hier von Übervorteilung spricht. Didier Deschamps ist im eigentlichen Sinne auch ein Fussballexperte, trotz seines doof klingenden Namens.

Auf den Trikots der Nationalelf ist – wie Modefreunde längst erkannt haben dürften – ein Hahn abgebildet. Es ist bestimmt kein Zufall, dass die Ausrüster dieses Tier gewählt haben, denn Hühner (das sind die Frauen der Hähne) legen ihre Eier aus dem Zentrum heraus. Man bemerke die subtile Anspielung auf die Stärke des Teams. Über den gleichen Kanal scheiden Hühner übrigens … – aber darüber vielleicht ein anderes Mal, nach dem Frühstück.

Summa summarum dürfen wir festhalten, dass die französische Nationalelf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Fussball-Europameisterschaften für sich entscheiden werden. Das ist die Wahrheit, und wenn sie noch so unangenehm ist. Und wenn nicht, dann auch egal. Die Freude am Fussballfest steht schliesslich im Zentrum.

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