Bon appetit!

Das A und O am Esstisch: Sagen Sie es auf Französisch. Das klingt massiv besser als Deutsch und gibt dem Gaumenschmaus sofort eine gewisse Hochwertigkeit, eine légère Leichtigkeit, ein weltmännisches Flair. Das Ohr isst schliesslich mit. Und sollten wir selber einmal nicht genau verstehen, was wir da sagen, auf Französisch, dann können wir entspannt zurücklehnen und lächeln: Unser Gesprächspartner weiss es auch nicht, in den meisten Fällen. – Es sei denn, er ist selbst Franzose (wobei er in diesem Fall ja froh sein kann, dass wir uns überhaupt mit ihm abgeben).

Französisch am Herd klingt kompetenter, melodiöser und halt einfach besser, zugegeben (nein, Kevin, nicht alle französischen Köche sind schwul). Die butterzarte «Foie gras» zergeht auf der Zunge, während die profane «Entenleber» ziemlich holprig daher gewatschelt kommt, irgendwie entenarschig, und womöglich sogar aus Tier gemacht ist. Wobei wir alle – allen voran die Kinder – mögen doch Stopftiere, nicht? Lieber nackt als in Federn.

Der gebratene Fleischklops wird zum «Chateaubriand», die frittierten Kartoffelstangen zu «Pommes Frites» und eine unsagbare, barbarische Kombination aus Schnitzel, Schinken und Käse zum «Cordon bleu». Fleisch und Käse zu kombinieren, darauf muss man erst einmal kommen. Hartnäckigen Gerüchten zufolge handelte es sich bei der Erfindung von Cordon bleu um einen Unfall beim Versuch, während der Französischen Revolution eine effiziente Hinrichtungsmethode zu entwickeln (vermutlich sind bis heute mehr Menschen durch diese Speise umgekommen als durch die Guillotine).

Auch Kellner bedienen sich der fremden Sprache, um Unschönes schön zu reden: Wir mögen unser Entrecôte «seignant» und nicht «blutig», denn niemand möchte ein blutendes – wenn nicht sogar menstruierendes – Stück Tier auf seinem Teller liegen sehen. Und dann auch noch essen – pfui! Nein, das geht nicht. Da würde niemand nach einem Nachschlag fragen, nicht einmal nach einem «Supplément».

Wenn uns der Kellner Dinge in eine fremden Sprache fragt, dann sind wir gut beraten, aus Protest (ja, protestieren ist immer gut, im Zeichen der Rebellion!) konsequent dumm zu schauen (vielen fällt das nicht schwer) und ganz selbstverständlich in unserer Muttersprache zu antworten. «Möchten Sie das Fleisch seignant?» – «gut durch, bitte!». Ausser natürlich in der Westschweiz, da müssen wir … – aber das würde jetzt den Rahmen sprengen. Ich muss weg. Adieu!

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