Juradieu!

Juristen sind die neuen Banker, denn sie werden ebenfalls bald ihre Arbeitsstelle verlieren. Und dieses omnipräsente «xy ist das neue yz» sollte per Notrecht mit einer Prügelstrafe geahndet werden, weil es nervt ohne Gleichen. Da hat uns der Strafvollzug Saudi Arabiens etwas voraus. «Rot ist das neue Schwarz», «Blöd ist das neue Schlau» und «Schamlippen sind das neue Gesicht» (letzteres hat tatsächlich in einer Pendlerzeitung gestanden, im Zusammenhang mit Schönheitsoperationen). Schrecklich.

Juristen – um auf das eigentliche Thema zurückzukommen – werden bald nicht mehr gebraucht, weil frühere Rechtsfälle digital erfasst werden und sich wenn nötig rucki zucki abrufen lassen, nach Stichworten. Der Computer übernimmt das Aktenwälzen. Gut, liebe Leserin, lieber Leser, Sie mögen anfügen, dass dies nicht sonderlich schlimm sei, weil Juristen schlechte Menschen sind, aber: Dieser Trend wirft grundsätzliche Fragen auf. Werden sogenannte Bagatelldelikte (Mord, Raub etc.) bald von Robotern beurteilt?

Werden wir im Strassenverkehr bald von einem Blechmann angehalten und nach den Papieren gefragt? So abstrakt ist diese Vision gar nicht, denn die äusserst populären Radarkasten sind ja auch Maschinen. Sie erkennen immer nur, wenn wir zu schnell fahren oder ein Rotlicht ignorieren, nicht aber, warum wir es so eilig haben (Champions League am Fernsehen, Geburtstag Schwiegermutter, Suizidversuch Goldfisch). Sie richten binär, sozusagen, sehen nicht ein, dass alle bisher an mich verhängte Bussen ungerechtfertigt waren.

Wird der Nachbarschaftsstreit bald von einem Computer geschlichtet, in den wir «Person A hat in den Rasen gereihert», «Person B hat den Müllsack zu früh rausgestellt» und «Person A hat Frau von Person B in den Ausschnitt geglotzt» eingeben und als Resultat «Baumfrüchte, die auf das benachbarte Grundstück fallen, gehören dem Eigentümer dieses Grundstücks» ausgespuckt erhalten? – Die Antwort auf diese Frage ist schnell gefunden: Ja.

Jungen Menschen darf ergo bedenkenlos empfohlen werden, nicht Jura zu studieren (besser Anden oder Alpen), um sich die berufliche Zukunft nicht frühzeitig zu verbauen. Der Anwalt von Morgen wird eine App für drei Franken fünfzig sein, die unsere Interessen vor Gericht vertritt. Also kein Jura. Weit besser ist ein Psychologie-Studium. Denn irgendwer muss all die arbeitslosen Juristen der Zukunft ja betreuen. Und die Banker auch.

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