Ein schweres Arbeitslos

Mein Computer hat mir kürzlich eröffnet, ich habe ein invalides Passwort eingegeben. Das ist sehr zuvorkommend für eine Maschine, wie ich finde. Menschen sind diesbezüglich anders. Türsteher vor Diskotheken zum Beispiel weisen zuweilen Leute ab, obwohl diese klar und deutlich ein Passwort sagen (je nach Alkoholpegel sogar mehrere Passwörter). Item.

Dass die stetige Automatisierung irgendwann zu sozialen Problemen führen wird, ist an Schwachsinn kaum zu übertreffen. Schliesslich braucht es auch Leute, die das Ganze programmieren und warten können. Es gehen also nicht nur Arbeitsplätze verloren! Laut neuesten Berechnungen werden auf tausend Entlassungen mindestens zwei neue Jobs erschaffen. Man muss sich halt anstrengen in der freien Marktwirtschaft! Mit einem Minimum an Flexibilität schult sich der Fliessbandarbeiter zum Informatiker um, an Abendkursen. Warten ist übrigens meine Stärke.

Man hat jahrzehntelang die Produktivität erhöht und jene Arbeitskräfte gefördert, die eine bessere Leistung erbringen als andere, und jetzt das: Maschinen sind schneller als Menschen, intelligenter und fleissiger. Sie murren nicht. Und sie stinken nicht nach Schweiss, machen keine Rauchpause und sind nie krank. Da wäre es doch absurd, den Menschen nicht zu ersetzen. Der Kapitalismus will es so. Und er hat immer recht.

Fortschrittliche Unternehmen haben bereits heute die Zeichen der Zeit erkannt. Sie tragen der Entwicklung Rechnung, indem sie mit Arbeitnehmern je länger je mehr umgehen, als seien sie Maschinen. So erreichen sie, dass die stufenweise Automatisierung nahtlos vorangeht. Es gibt immer mehr Leute, die den Dialog suchen mit der Computerstimme in der Warteschlaufe der Helpline. Die elektronische Zeitansage klingt ebenfalls sehr, sehr freundlich. Sie nimmt sich Zeit.

Um zum Schluss zu kommen: Der Fortschritt darf sich nicht beirren lassen von ein paar Arbeitslosen mehr. Das soziale Netz ist intakt. Der einzelne Mensch ohne Arbeit fühlt sich viel geborgener bei einer Arbeitslosenquote von zwanzig Prozent. Und die Regionale Arbeitsvermittlung (RAV) wird den Ansturm an Stellensuchenden mühelos absorbieren können, dank automatisierter Betreuung.

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