Der Berg ruft nicht

Ganz ehrlich: Wären Sie Gotthard, liebe Leserin, lieber Leser, dann würde Ihnen das alles zu viel. Zu viele Autos, zu viel Lärm und zu viel Geschrei um Ihr Innerstes, um Ihr Herz, sozusagen. «Warum», würden Sie vermutlich sagen, «warum immer ich, warum keine zweite Röhre durch den Lötschberg. Oder durch den Böhler zwischen Schöftland und Unterkulm meinetwegen».

Und Sie hätten Recht, denn immer auf die Gleichen, das ist nicht fair. Tausende von Autos, die ohnehin schon durch einen hindurch fahren (was vermutlich kitzelt) sind genug. So viele Lüftungsschächte, die all die Abgase nach oben – an die Hautoberfläche – transportieren, stinken zum Himmel. Und überhaupt: Warum haben die Menschen den Hauptstollen damals nicht so sicher gebaut, dass es gar nicht erst einen Sicherheitsstollen brauchte?

Aber als Berg kann man noch so gut argumentieren, man beisst auf Granit, Zentralmassiv hin oder her. Oder wie promovierte Geologen sprichwörtlich sagen: «Als Berg geboren – schon verloren». Der Gipfel der Ungerechtigkeit ist, dass uns Steine all dies eben nicht mitteilen können, nicht einmal in der entspannten Atmosphäre bei einer Hot Stone Massage im Wellnessbereich. Man schweigt sich gegenseitig an. Geologen gelten übrigens als überdurchschnittlich humorlos.

Apropos Humor: Berge gelten ebenfalls als äusserst griesgrämig, wie gelegentliche Bergstürze beweisen. Permafrostig und blutleer. Der Gotthard ist da keine Ausnahme, leider. Und er hat ein Herz aus Stein.

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