Für immer und ewig

Für immer ist für sehr, sehr lange. Wenn man zum Beispiel eine Augenverletzung erleidet und dadurch für immer auf einem Auge blind bleibt, dann ist das wohlgemerkt nicht das Gleiche, wie wenn man mit einem blauen Auge davonkommt. Dieses schwillt ja ab, irgendwann. – Wobei: Immer ist ja für immer. Es ist ergo noch länger als lebenslänglich. Das macht stutzig. Im Reich der Blinden bleibt der Blauäugige unerkannt, übrigens. Und am Dreikönigstag gibt’s olle Brötchen aus Hefeteig. Abgebrochene Zähne wachsen nicht nach.

Und doch ist für immer nicht gleich lange wie für ewig, nein, ganz und gar nicht. Ewig ist nicht nur ein, zwei Tage länger als für immer, sondern – eben – für ewig. Also sehr ziemlich lange. Mit diesem Unterschied haben Philosophen permanent Mühe. Es wäre zudem vermessen, von Immerkeit zu sprechen, anstelle von Ewigkeit, selbst wenn man etwas beschreiben will, das eben nicht ewig ist. Die Sprache will es so. Der Sprache kann man immer die Schuld geben. Sie ist fast so geduldig wie Papier.

Immer impliziert eben doch, in gewisser Weise, dass das, wovon gerade die Rede ist, irgendwann endet. Darum sagen wir beispielsweise «sie hat sich immer noch nicht entschieden», wenn wir uns vor dem Schuhladen die Beine in den Bauch stehen. Immer kann also doch enden. Dennoch gibt es sogar heute noch Menschen, die behaupten, sie hätten auf etwas eine halbe Ewigkeit gewartet. Ja, uns kann man eben alles erzählen, uns Ewiggestrigen.

Im Kontext mit den obigen Ausführungen müssen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, unweigerlich zur Entscheidung gelangen, solche Menschen in Zukunft auf diesen fundamentalen Irrtum aufmerksam zu machen und korrigierend Einfluss zu nehmen. Ich mache das immer. – Also, zumindest bis gestern habe ich das gemacht. Aber jetzt wird mir das alles zu dumm.

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