Jetzt neu: Ein alter Text

Auf dem Arbeitsplan einer Malstifte-Fabrik stand in grossen Lettern «Kreide machen heute», was der Schichtleiter, der unter einer etwas undeutlichen Aussprache litt, laut vorlas. Seine Kollegen verstanden «Kleider machen Leute», stutzten vorerst, machten sich sodann jedoch an die Arbeit. Order ist Order. Das Resultat sah schrecklich aus, Vintage war geboren. Sie sehen: Vintage entstand in der Kreidezeit. 

Heute erfreut sich Vintage einer grossen Beliebtheit. Missratene Kleidungsstücke werden einmal pro Woche auf dem Parkplatz vor der Fabrik ausgebreitet, worauf der Spediteur mit seinem Lastwagen zehn Mal darüberfährt. Vermeintliche Ausschussware wird damit rezykliert, um dieses dumme Wort zu gebrauchen, und oben drauf zu gutem Geld gemacht. Immer mehr Menschen leiden übrigens unter einer Sehschwäche. Schlechtes Geld gibt es nicht. 

Wenn eine zerschlissene Jeanshose sprechen könnte, dann würde sie sagen «Ein LKW-Fahrer hat mir das Leben gerettet». Gut, vielleicht würde sie auch sagen, dass ihr Herrchen oder Frauchen doof ist, so viel Geld für etwas Kaputtes bezahlt zu haben. Wir wissen es nicht. Die Meinung von Kleidungsstücken im Allgemeinen und Hosen im Besonderen wird meistens ein bisschen überbewertet. Meine Unterwäsche frage ich schon gar nicht mehr. 

Es wäre übrigens schön, wenn dieser Text auf Altpapier gedruckt würde. Der Leser hätte so das Gefühl, nicht unnötig Ressourcen zu verschwenden, sondern – ganz unschuldig – etwas Altes zu verwenden. Vintage eben. Frauen sprechen übrigens häufiger vom sogenannten ökologischen Fussabdruck als Männer. Vielleicht sind sie verantwortungsbewusster, grüner. Ob sie auch mehr Retro-Artikel kaufen, ist nicht erfasst. Erfasst ist: Frauen haben im Durchschnitt kleinere Füsse als Männer. Und sie reden mehr. 

Der Vintage-Trend hat sein Potential noch nicht ausgeschöpft, ohne Zweifel. Gerade bei Hygiene-Artikeln besteht Luft nach oben. Aber das alles dürfte nichts Neues sein für die meisten Leserinnen und Leser. Das nüchterne Fazit zum Thema Vintage: Retrospektiv eine Schande, aus dem heutigen Alltag jedoch nicht mehr wegzudenken. Kaufen Sie gut, auf Wiedersehen!

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