So ein Welleben

Wie jeden Morgen versah Leo-Heinrich seinen Wellness-Joghurt mit einem Teelöffel Wellness-Akazienhonig und trank ein Glas Wellness-Sojamilch dazu, die ungefähr so teuer war wie sinnbefreit. Leo-Heinrich atmete tief durch. Er fühlte sich gut. – Fast zu gut: Alles in seinem Leben war so verdammt well, kaum auszuhalten. Stimmig. 

Das Duschgel, die Zahnbürste, die Hautcrème waren auf absolutes Wohlbefinden ausgerichtet. Dabei hatte er kürzlich noch seine Kollegen ausgelacht, die Hautcrème benutzten, weil er das zu unmännlich, zu metrosexuell und ganz einfach überflüssig fand. Und jetzt das. Es tat so gut! Er war im Einklang mit sich selbst. 

Ein schönes Leben ist doch die Hauptsache, dachte sich Leo-Heinrich, und dafür bezahlt man auch gerne etwas mehr. In unserer hektischen Welt kommen Pausen ganz für sich selbst viel zu kurz, dachte Leo-Heinrich, und trug noch einen Extra-Tupfer Hautcrème auf, die vermutlich aus Gold oder Platin hergestellt worden sein musste, bei dem Preis. 

Es war so well. Bevor er das Haus verliess, um zur Arbeit zu fahren, tupfte Leo-Heinrich mit einem Wellness-Wattestäbchen noch ein bisschen Wellness-Hämorrhoiden-Salbe auf seine Wellness-Hämorrhoide, um sich sodann frohen Mutes von einem Wellness-SUV ins Wellness-Jenseits überfahren zu lassen. Und Sie glauben gar nicht, wonach der Pfarrer an der Bestattung von Leo-Heinrich roch. Er benutzte offenbar die gleiche Hautcrème. Das war schön, irgendwie.

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