Fröhliche Nacht

Weihnachten ist ein Fest der Besinnung. Ab und an muss man sich das wieder vergegenwärtigen. Am besten gegen Ende Jahr. Gerade die Grossverteiler übernehmen hier Verantwortung und verbreiten in ihren liebevoll angefertigten Prospekten Schlagwörter wie «Festlichkeit», «Liebe» – und eben: «Besinnung». Schlagwort ist ein sehr dummes Wort, irgendwie. 

In der Adventszeit besinnen wir uns mit Hochdruck. Wir erinnern uns an die Mitmenschen und sogar an die Verwandten. Das ist sehr schön, weil man sich immer zur Weihnachtszeit mit ihnen trifft, mit ihnen ein Festmahl verspeist und womöglich sogar Geschenke austauscht. Danach sind alle sehr froh: Einerseits über die erhaltenen Präsente und anderseits darüber, dass es ein ganzes Jahr dauern wird, bis sich die Verwandtschaft wieder trifft. 

Aber niemand will hier kritisch sein. Wenn zum Beispiel der Onkel in Amerika lebt und nur über Weihnachten in die Schweiz reist, eigens, um sich mit seinen Liebsten zu treffen, dann ist das natürlich schön (ausser natürlich für diejenigen Leute, die sich in Amerika während des gesamten Jahres mit unserem Onkel abgeben müssen). 

Das war jetzt nicht zynisch gemeint, eher so ein bisschen besinnlich, um wieder auf das eigentliche Thema zurückzukommen. Man sinniert speziell um die Weihnachtszeit vermehrt über existenzielle Dinge. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin, und warum wird Bahnfahren immer teurer. Manche machen sich so intensiv existenzielle Überlegungen, dass sie ihre Ehefrau umbringen. Ja, solche Dinge passieren vor allem über die Feiertage. Da hat man Zeit. 

Nach Weihnachten ist es mit den schönen Gefühlen nicht vorbei. Ganz im Gegenteil: Es stellt sich die Gewissheit ein, dass die Besinnung – wenn sie denn richtig praktiziert wird – ganz schön anstrengend sein kann. Und um sich selbst für den erfolgreich geleisteten Effort über die Festtage zu belohnen darf man sich dann auch etwas Egoismus gönnen, etwas Entspannung vom Gutsein. Für die Balance. Niemand will ja päpstlicher sein als der Papst. Experten empfehlen eine Erholungsphase von zirka elfeinhalb Monaten. 

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