Pissoir Rating #14, Ristorante Cooperativo, Zürich

Lange ist’s her, seit dem letzten, fachmännischen Rating eines stillen Örtchens für drückende Männerblasen. Daher soll es ein regelrechtes Schmankerl sein: Das Cooperativo im Kreis 4 mit seiner langen Tradition, sozusagen die kulinarische Huldigung des Sozialismus. Trotz apolitischem Credo dieses Blogs erlaubt sich der interessierte Leser die Frage: Wie biseln Sozis?

Beim Betreten der Toilettenanlage sticht sofort ins Auge, dass hier Kenner am Werk gewesen sein müssen: Die zwei bewundernswert unspektakulär angelegten Pissoirs ersparen dem Wasserlasser die zermürbende „Links-Mitte-Rechts“-Frage und laden ihn ein, eine klare Richtung einzuschlagen. Das wirkt sich sehr positiv auf die Wertung aus, denn nicht selten wurde in diesem Blog die ungerade Anzahl an Becken scharf kritisiert: Drei Pissoirs nebeneinander laden den Gänger geradezu ein, den Fauxpas zu begehen und die eiserne Regel zu brechen, bei drei unbesetzten Startplätzen auf keinen Fall den Mittleren zu wählen.

Wer empfindliche Nasenschleimhäute sein Eigen nennt, sollte im Cooperativo auf einen Toilettengang verzichten. Die Klosteine mit Limettenduft wirken bis weit in den Treppenbereich ausserhalb der Anlage und signalisieren nicht nur, dass hier der Sauberkeit einen grossen Stellenwert eingeräumt wird sondern können bedenkenlos als eine Ode an die Chemiekeule schlechthin gedeutet werden. Es wirkt, als könnte man in die Luft beissen und sodann ein grosses Stück Limette im Mund halten. Das gibt Abzug.

Auf eine musikalische Untermalung des Geplätschers wurde verzichtet; Das Risiko von Menschenansammlungen bei (zu) guter Musik entfällt. – In der Wertung allerdings schlägt sich dies negativ nieder, denn für ein stressfreies Pinkelvergnügen sind Hintergrundgeräusche – und damit sind nicht die Geräusche aus den verschliessbaren Kämmerchen nebenan gemeint – unabdingbar. Die kleinen, grünen Fliesen sind in einem solchen Ausmass kitschig, dass sie im Rating positiv berücksichtigt werden.

Alles in allem eine sehr gepflegte, angenehme Anlage. Es wird nichts erzwungen und empfängt Männerherzen mit einem unspektakulären, ehrlichen Charme.

Wir erteilen eine glatte 5.

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Ach ja, nebenbei sei gesagt: Die Pizze des Cooperativo sind einfach super. Und preiswert. Und irgenwie spürt man bei jedem Bissen den entschlossenen Klassenkampf. Mit Limetten.

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