Oh, weh!

Reden wir über Silvester. Sie glauben gar nicht, wie es nach Mitternacht in der Notaufnahme eines Spitals zu und her geht. Da sind Betrunkene und Verletzte. Und betrunkene Verletzte. Sie halten den Laden so richtig auf Trab. Nahezu hundert Prozent sind gemäss Bundesamt für Statistik aus ein und demselben Grund da: Sie haben sich beim Entkorken der Champagnerflasche wehgetan.

Tatsächlich entkorkt die halbe Schweiz exakt zum gleichen Zeitpunkt irgend eine Flasche, obwohl die Wenigsten auch nur den Schimmer einer Ahnung davon haben, wie das ohne Gefahr für Gäste, Mobiliar und Haustiere geht (Sie lachen vielleicht, aber die Suizidrate von Hauskatzen steigt vor Silvester dramatisch an). Natürlich leisten wir hier Aufklärung, im Zeichen der Prävention.

Als erstes sollten Sie die Flasche prüfen. Nicht wenige Gastgeber ersetzen die Etikette eines billigen Fusels (Jargon: Nuttendiesel) mit jener eines hochwertigen Champagners mit der Folge, dass sich diese im dümmsten Moment ablöst und dem an sich fachmännisch agierenden Öffner aus der Hand gleitet. Dabei verletzen sich die Wenigsten an den Glasscherben, sondern eher beim Versuch, an eine neue Flasche zu gelangen, bevor die Kirchenuhr zwölf Mal geschlagen hat.

Menschen, die das Gefäss nicht fallen lassen, unterschätzen oftmals die Wucht es austretenden Korkens. Entgegen vieler Meinungen entsteht das ploppende Geräusch nicht beim Austritt aus dem Flaschenhals sondern beim Durchbrechen der Schallmauer. Die Zielgenauigkeit darf nicht unterschätzt werden. Besonders schlaue Zeitgenossen pflegen es, eine gewisse Drolligkeit zu simulieren um präventiv den Abschuss unliebsamer Personen zu entschuldigen. Schwiegermütter werden auf Silvesterpartys immer häufiger mit Integralhelmen gesichtet.

Nebst Lampen und Deckenverkleidungen werden von den Versicherungen als teuerste Schäden Zahnprothesen genannt. Die Bezeichnung «Kronkorken» kommt nicht von ungefähr. Aber auch Fensterscheiben, Vasen und Jochbeine gehen gerne zu Bruch.

Als wären die Schmerzen einer Verletzung nicht schlimm genug, leiden die Opfer auch darunter, dass sie ihr Partner auf die Notaufnahme bringen muss und den besten Teil der Party verpasst, obwohl er sich bereits ein Jahr lang darüber gefreut hatte. Der in der Notaufnahme am Häufigsten gehörte Satz ist denn nicht «Schatz, tut es noch fest weh?» sondern «Es ist aus, du Vollidiot».

In diesem Sinne: Fröhliches neues Jahr – und gut Schuss!

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Eine Antwort to “Oh, weh!”

  1. Papageno Says:

    Ich habe Deinen Artikel mit viel Schmunzeln gelesen. Danke für diesen vergnüglichen Sonntagsbeginn. Auch Dir ein gutes 2014 und ich werde mich immer wieder mal in Deinen Blog hineinlesen. Aus Zürich grüsst Papageno bzw. Urs

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