Wer’s glaubt …

Es gibt keine Rätselfreunde. Sie haben richtig gelesen: Der Knobelfreund ist ein Phantom, ein Hirngespinst. Tatsächlich scheinen die gefühlten drei Längenmeter an Rätselheften am Kiosk Ihres Vertrauens eine geschickte Attrappe zu sein. Denn – Hand aufs Herz – haben Sie schon einmal jemanden gesehen, der eine dieser einschlägigen Zeitschriften kauft, so im richtigen Leben? Wohl kaum.

Ein Schelm, wer hier von einer Verschwörung spricht. Irgendeine dunkle Macht muss ein Interesse daran haben, uns glauben zu machen, dass Kreuzworträtsel ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens seien. Es ist alles nur Beschiss. Kein Mensch kauft so etwas! Es gibt noch eine andere Möglichkeit: Die Freunde anspruchsvoller Knobeleien schämen sich für ihre Passion. – Ja, so könnte es sein.

Sie nehmen eine andere Zeitschrift als Umschlag, damit keiner sieht, dass sie Dinge in ein Rätselheft kritzeln. Man muss sich das einmal vorstellen. Kioskverkäuferinnen wickeln den «Playboy» auf Wunsch diskret in die «Bilanz», währenddessen irgendwelche Kreuzworthefte aus dem gleichen Grund in eine beliebig andere Zeitschrift gewickelt werden (zum Beispiel in den «Playboy»).

Weit besser als diese Hefte mit den schwierigen Aufgaben (gemeint sind die Rätselhefte, liebe Herren) sind diejenigen Hefte, die die Lösung derjenigen Knobeleien enthalten, die in den Heften mit den schwierigen Aufgaben drin stehen. Das ist eine absurde Vorstellung. Die Rätselmafia will uns tatsächlich weismachen, dass es Menschen gibt, die freiwillig Geld für Aufgaben ausgeben, um sich gleichzeitig – ebenfalls freiwillig – die Lösungen dazu zu kaufen (gut, Psychiater würden von einem Zwang sprechen). Eine Unverschämtheit!

Warum nur sollen wir an die Mär der Rätselfreunde glauben? Stecken Verlagsleiter dahinter, die sich sagen «okay, die letzten zwanzig Jahre haben wir kein einziges Heft verkauft, aber das Angebot wird sich eine Nachfrage schaffen, bestimmt»? Oder werden überzählige Papierbestände im Lager abgebaut, indem die Druckerei planlos Rätselhefte produziert? Oder: Steckt am Ende tatsächlich ein grosser Plan einer ausserirdischen Macht dahinter, der für uns erbärmlichen Erdenbürger erst dann Sinn macht, wenn es zu spät ist?

Na ja, vielleicht gibt es ihn doch, den Knobelfreund. Genauso wie Yeti. Oder Big Foot.

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