Einmal Pommes, bitte, aber schnell!

Superhelden essen nie. Das stimmt. Schauen Sie einmal genau hin bei einem Spiderman- oder Batmanfilm. Die Helden haben ausschliesslich dann menschliche Bedürfnisse, wenn sie nicht im Einsatz sind, also in zivil sozusagen. Kaum ist das schicke Kostüm angezogen, scheinen sie ihre Energie aus dem Universum zu beziehen. So quasi wie Uriella. Ein Schelm, wer hier von Doping spricht.

Es wäre zweifelsohne unvorteilhaft, wenn Superhelden essen müssten, wäre irgendwie störend beim Einsatz für die Rettung der Welt (Greenpeace-Aktivisten essen übrigens auch nie, nicht einmal Fischstäbchen aus suizidalem Dorsch). Und es würde – was noch viel wesentlicher ist – einfach etwas uncool aussehen, wenn sich Superman zwischendurch eine Tüte Pommes gönnen würde, sich mit den Worten «Sorry, abscheulicher Bösewicht, ich mach mir kurz eine Pfanne Spaghetti» ausklinken würde. Sieht blöd aus, wenn der Superheld eine Suppe hält.

Das hat nicht zu verachtende Vorteile. Essen macht die Zähne kaputt (für den Zahnarzt ist ja auch keine Zeit) und wer nicht isst, hat nie Durchfall. Wäre auch unpraktisch, so im Einsatz. Ach ja, das ist ebenfalls ein Rätsel: Superhelden müssen nie zur Toilette. Nie. Vermutlich werden Filmszenen, in denen der Held – nachdem er mit seiner Laserkanone ein paar Tausend Bösewichte mitsamt den Dörfern, in denen sie sich versteckt hatten, eingeäschert hat – sagt, er müsse mal kurz für kleine Jungs, in den USA zensuriert. Ist halt unsittlich. Nicht gut für die Kids.

Der grosse Nachteil ist natürlich, dass Superhelden – auch hier sei auf das sorgfältige Studium der Filme hingewiesen – ab und an einen regelrechten Durchhänger haben. Der Blutzucker sinkt, die Leistung nimmt ab. Eine der Folgen ist, dass die meisten Superhelden in einer Spielfilmlänge nicht damit fertig werden, die Welt zu retten. Es braucht einen zweiten Teil und einen dritten Teil und so weiter. Manche retten die Menschheit zuerst in 2D und dann zusätzlich in 3D (was insofern wichtig ist, weil wir alle – Hand aufs Herz – lieber in einer 3D-Welt leben als in einer 2D-Welt). Die Handlung bleibt nicht selten 1D.

Darum haben es Superhelden niemals vom Comic oder von der Leinwand ins wirkliche Leben geschafft. Das Arbeitspensum wäre untragbar, «Unia Superhelden» würde sofort auf die Strasse und gegen den Kapitalismus protestieren, Burnouts könnten kaum noch gelöscht werden und selbst die Organisation «Brot für alle» würde auf die Barrikaden, weil Superman – eben – nie isst.

Und weil der vorliegende Text für die Freunde des gepflegten Actionfilms eher traurig und ein bisschen desillusionierend ist, hier ein erfrischendes Filmzitat (Quelle: Batman), das den geistreichen Aspekt von Superhelden-Filmen unterstreichen soll: «Bruce, du magst im Inneren noch immer der großartige Junge von früher sein. Aber was man im Inneren ist, zählt nicht. Das was wir tun, zeigt wer wir sind.» Zugegeben, das Zitat könnte auch vom US-Präsidenten sein. Aber der ist ja auch ein Superheld, irgendwie.

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