Habemus Mamam

So, jetzt haben wir also einen neuen Papst. Also, eigentlich ist er ja nicht für uns alle, sondern – wie von den Medien sofort verbreitet – der Papst für die Armen. In zwei Wochen soll der Papst für die Reichen erkoren werden, mit Wohnsitz in Zug (was viele überflüssig finden, weil die Reichen sowieso für ein Kollektiv-Schmoren in die Hölle kommen).

«Habemus Papam» wurde sogleich verkündet, was ins deutsche übersetzt «Jetzt räumen wir diesen Sauladen mal auf» heisst. Und Abertausende von Katholiken versammelten sich, um ihren neuen Gott … – Entschuldigung: Papst zu begrüssen. Die riesige Menge jubelte, und viele Menschen hatten Tränen in den Augen, vermutlich von diesem – übrigens hochgiftigen – schwarzen und weissen Rauch, der aus den Köpfen aufgestiegen war. Es sah ein bisschen aus wie an einem Rammstein-Konzert. Nur ohne Feuerwerk. Und ohne diese langweiligen, biederen Rockfans.

Der neue Mann in der sakralen Teppichetage ist Argentinier, und auch das gibt Hoffnung: Zum einen, weil auch Fussballgott Diego Armando Maradona Argentinier ist, zum anderen, weil die Menschen immer auf irgendetwas hoffen, wenn ein neuer Papst gewählt worden ist. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn der neue Boss wieder ein Deutscher gewesen wäre. Oder ein Nordkoreaner. Oh, je! Franziskus spricht übrigens Lateinisch; Argentinien liegt in Lateinamerika.

Zu einem neuen Voting (wählen war gestern) war es ja nur gekommen, weil der bisherige Papst – der Beni – entgegen aller Vermutungen nicht pünktlich gestorben ist und sich für einen nicht natürlichen Rücktritt entschieden hatte, was eher unüblich ist. Geht gar nicht. Normalerweise segnet ein Papst nicht nur unzählige seiner Schäfchen, sondern innert nützlicher Frist auch das Zeitliche. Aus Anstand. Steht im Kleriker-Knigge. Man soll ja Platz machen für die Jungen.

Entgegen aller Vermutungen von Insiderkreisen wurde nicht eine lesbische schwarze Frau gewählt, die kürzlich vom Islam zum Christentum konvertiert hat. Na ja, vielleicht nächstes Mal, nach Einführung der Frauenquote im Vatikan. Aber der neue Chef soll ja ebenfalls gute Einstellungen haben: Er ist gegen Schwule, gegen Kondome, gegen Abtreibung und für verlängerte Öffnungszeiten von Schweizer Tankstellenshops. Und gegen das Böse, natürlich.

Es spricht also alles dafür, dass die Welt in nächster Zeit enorm viel besser wird. Sehr ziemlich sicher. – Ach ja, gegen Bigotterie ist er auch noch, glaube ich zumindest. Aber glauben ist ja nicht wissen.

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