Einmal Vanille-Erdbeer, bitte!

Die Zitronen waren sauer: So konnte das nicht weitergehen. Währenddem diese hochkomplizierten Pressen den Grossteil der ihrigen ganz normal entsaftete, drückten sie aus unerfindlichen Gründen bei den etwas grösseren Exemplaren so stark zu, dass diese fast austrockneten und sehr darunter litten. Das musste ein Planungsfehler sein, ja, irgendein Ingenieur musste sich verrechnet haben.

Wie in der Wirtschaftswelt üblich, kaufte das Management mit dem Erlös des Saftes Eiscreme. – Unmengen an Eiscreme. In verschiedenen Geschmacksrichtungen. Die Chefetage kaufte soviel Eiscreme, dass sogar die Mitarbeiter anderer Fabriken davon essen konnten. – Von anderen Fabriken, die entweder nicht so moderne Saftpressen hatten oder nicht so gute Zitronen. Oder beides. Jedenfalls wurde sehr, sehr viel Eiscreme gekauft. – Bis sich Herr Granini vom Controlling an der Geschäftsleitungssitzung meldete und sagte, man brauche entweder mehr Saft oder man könne nicht mehr soviel Eis kaufen.

Der Chef bekam einen hochroten Kopf – fast so rot wie seine Krawatte – und schloss die Finanzabteilung. Per sofort. Er wies seine Ingenieure an, die Pressen neu zu justieren, um noch mehr Saft zu gewinnen, und unter dem wohlklingenden Projektnamen «Jus durch Justierung» wurde das Verfahren verfeinert, sodass aus allen Früchten noch ein bisschen mehr Saft gewonnen werden konnte. Das war für die Zitronen nahezu unerträglich; Es brachte das Fass zum überlaufen. Doch selbst die Organisation für die Rechte der Zitrusfrüchte schaute Tatenlos zu.

Einigen besonders gebeutelten Zitronen wurde es schlussendlich zu bunt. Sie hatten von einer Fabrik gehört, wo schonender gepresst wurde, – ja, wo sich die Artgenossen sogar freiwillig in die Presse legten. Nicht wenige machten sich auf den Weg zu dieser anderen Fabrik, in der Hoffnung auf ein zitronlicheres Dasein. Sie liefen über. Na ja, warum sollten sie ihren Saft geben für die Mitarbeiter von anderen Fabriken?

Als die Fabrikleitung von der Flucht ihrer Rohstoffe erfuhr, wollte sie den Grund erfahren. Warum nur wollten sich die Abtrünnigen nicht in diese Presse begeben? Sollte man womöglich weniger pressen? Sollte man womöglich weniger Eiscreme kaufen? Oder weniger davon verschenken? Der Chef bekam wiederum einen hochroten Kopf. Er wollte die Finanzabteilung auflösen, doch deren Büros waren bereits leer.

Eine Lösung war schnell gefunden. Nach sehr, sehr guten Überlegungen beschloss die Geschäftsleitung, die Fabrik, wohin sich viele grosse Zitronen begeben hatten, auf Schadenersatz zu verklagen. So, das ist das Ende der Geschichte. Das nächste Mal sinnieren wir darüber, was wohl passiert, wenn wir nicht mehr so viel Eiscreme verschenken. Auf Wiedersehen!

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