Es lebe der Chancentod

Die eidgenössische Sportlerseele weint: Die Sieger der Herzen, die Fussballgötter Alex Frei und Marco Streller treten pünktlich zur verpassten EM-Qualifikation zurück. Früher, in besseren Zeiten, hätten sie höchstens nachgetreten. – Oder allenfalls angespuckt, gell Alex. Jetzt wollen sie nicht mehr im roten Trikot gegen dieses Dingsda, gegen diese Tierhaut kicken, haben es satt, von den Medien ewig kritisiert zu werden und überhaupt: Nach dem Spiel sind die Knie jeweils so arg dreckig, dass man sie unter der Dusche richtig doll waschen muss. Nein, das Fussballgeschäft ist kein Schleck.

Frei war sozusagen die Miss Schweiz des Fussballs, auch – oder gerade – in Sachen Intellekt. Die Superlative. Kein Schweizer Nationalspieler hat bislang den Ball so viele Male ins gegnerische Tor geschossen wie er. Umso gemeiner waren die Pfiffe von ein paar unbelehrbaren Fans, die wohl dachten, sie seien etwas Besseres, jawohl, sie hätten das Recht, kritisch zu sein (man stelle sich vor: ein kritischer Fussballfan!) Gut, wenn Fans pfeifen, dann blasen sie wenigstens nicht in diese doofen Venezuelas oder so ähnlich, diese Plastiktrompeten, die vermutlich eigens dafür erfunden wurden, Menschen vom Fernseher fern zu halten. Sie verzeihen dieses Wortspiel.

Die Stärke des gross gewachsenen Streller war vor allem der Kopf. Sie wissen schon. Wobei der Rücktritt von Marco Streller keine Premiere ist, nein, der Sympathieträger hat sozusagen bereits etwas Übung in der Kunst des professionellen Zurücktretens. Vor ein paar Jahren trat er – kreativ, wie Fussballer nun mal sind – spontan von der Nationalelf zurück und gab kurz darauf den Rücktritt vom Rücktritt bekannt. Das zeugt von Grösse. Als ob man die Titanic vom Meeresgrund bergen würde, um sie ein zweites Mal zu versenken.

Was bleibt TV-Schläfern und Nicht-Europameisterschaften-Teilnehmern anderes übrig, als aufrichtig Dankeschön zu sagen, offiziell und neidlos: Adieu ihr Beiden, unser Fussballherz wird euch vermissen. Wir werden euch nie vergessen. Und jetzt lasst uns feiern! – Schampus!

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