Heute: Herdentrieb in Barcelona

Das Schema bleibt sich gleich. Egal in welchem Flughafen, Schipol Amsterdam, Unique Zürich (der ja nun doch anders heissen soll, angeblich, oder? – Da soll noch einer den Überblick behalten), Berlin Tegel, JFK und Wasweissich: Die Menschen an der Gepäckausgabe verhalten sich gleich. Mann, was liebe ich dieses kosmopolitische Geschwafel, JFK, da klingt so ein Hauch von echtem Weltbürgertum mit. Egal, zurück zu Lück. Und zur Gepäckausgabe.

Habe ich mir doch bei der Ankunft in Barcelona erlaubt, eine kleine Studie zu erstellen, spasseshalber. Gut, sie ist nicht eben wissenschaftlich fundiert, diese Studie. Dafür jedoch sehr subjektiv und daher – dieser Blog macht seinem Namen alle Ehre – durchaus repräsentativ. Wir unterscheiden folgende Typen:

A) Der Egozentriker

Der Egozentriker lässt sich vom Förderband die Beinhaare kitzeln, stellt sich so nahe hin, dass ihm garantiert kein anderer Passagier zuvorkommt. Er war ja auch alleine auf dem Flug, oder. Gleichzeitig parkt er das leere Gepäckwägelchen so geschickt neben sich, dass sich jene Menschen, die ihren Koffer auf dem Band bereits erblickt haben, garantiert eine komplizierte Doppelfraktur an Schien- und Wadenbein zuziehen beim Versuch, ihr Gepäckstück zu erreichen.

B) Der Raucher

Er hat ein paar Stunden auf Nikotin verzichten müssen, freut sich ergo seit ein paar Stunden auf eine Zigarette und flucht nun über die faulen Katalanen, die sein Gepäck mit Absicht als letztes auf das Förderband legen, damit er noch lange nicht die Nichtraucherzone beim Band verlassen kann. In vereinzelten Fällen neigen Raucher in diesen Situationen – vor allem nach Übersee-Flügen – dazu, im Weg stehende Passagiere spontan totzuschlagen.

C) Der Teilnahmslose

Der Teilnahmslose wartet ab, schaut auf die Ärsche der am Band stehenden Mitmenschen und freut sich, dass er Ferien hat. Sein Gepäckstück wird kommen, wenn es kommen soll. Und es wird eine Freude sein, es in Empfang zu nehmen, denn es wurde nach Feng-Shui bepackt.

D) Der Dumme

Er denkt, je näher er am Band stehe, desto früher erscheine sein Koffer (siehe auch: Egozentriker). Mehr noch: Je näher man am Tor steht, aus dem das Förderband herauskommt, desto eher kriegt man sein Stück. Da es von dieser Kategorie nicht wenige Subjekte auf Flughäfen stehen gibt, stehen sich eben diese nicht selten gegenseitig auf den Füssen herum und ärgern sich fürchterlich, wenn der Dumme nebenan früher an der Reihe ist.

E) Der Saudumme

Der Saudumme ist gleich dumm wie der Dumme. Mit dem Unterschied, dass der Saudumme sein Erlebnis zu Hause in seinem Blog niederschreibt (okay Freunde, das war jetzt sowas von witzig).

Natürlich – Sie haben es bemerkt – erhebt diese Aufstellung nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Und es können durchaus Kombinationen der jeweiligen Typen auftreten, z.B. der saudumme rauchende Egozentriker oder so ähnlich.

Jedenfalls lohnt sich ein ergänzendes Studium bei Ihrem nächsten Trip irgendwohin. Mich würden – und das ist ernst gemeint – doch die kulturell unterschiedlichen Verhaltensweisen interessieren. Solche Unterschiede habe ich bis anhin trotz grosser, grosser Anstrengungen nämlich nicht feststellen können.

In London Heathrow beispielsweise stehen die Menschen auch nicht Schlange vor dem Förderband. Wobei das zugegeben ein schlechtes Beispiel ist, weil es nun mal in der Natur der Sache liegt, dass jeder seinen eigenen Koffer wieder mitnimmt. Was natürlich – Freunde des neuzeitlichen „Out-of-the-Box-Denkens“ werden jubilieren – auch Ansporn für das Ausprobieren neuer Ideen bieten könnte. Warum nicht einmal eine Warteschlange bilden und der Vorderste kriegt immer das Gepäckstück, das eben als nächstes auf dem Band daherkommt. Deal or no Deal.

Japaner zum Beispiel sind als sehr höflich und sozial bekannt, weshalb auf dem Flughafen in Tokio (heisst es eigentlich „auf dem Tokioter Flughafen“, verdammt nochmal?) die Menschen weit weg vom Förderband stehen und sehr gut beobachten, bevor sie höflich zurückhaltend hervortreten, um ihr Gepäckstück zu nehmen. Warum ich das weiss? – Ich war noch nie in Japan; Keine Ahnung, ob das stimmt.

Jedenfalls kann man am Verhalten an den Flughäfen nur bedingt Rückschlüsse ziehen auf die Kultur, weil – oh Wunder! – die Flüge von Passagieren unterschiedlicher Nationalitäten beflogen (das heisst im Fall so!) werden.

Daher, dies ist ein Appell, ersuche ich doch die reiselustige Leserin, den reiselustigen Leser, mich von dieser unerträglichen Unwissenheit zu befreien und mir, sofern es sie wirklich gibt, die Unterschiede im Herdenverhalten der Menschen an Flughäfen mitzuteilen.

Im Namen der Wissenschaft. Danke!

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Eine Antwort to “Heute: Herdentrieb in Barcelona”

  1. tonari Says:

    Das beschriebene Verhalten an der Gepäckausgabe des Flughafens in Tokyo-Narita bzw. Tokyo-Haneda kann ich nicht bestätigen.
    Hier heißt die Devise: Wenn ich den anderen Reisenden vorsichtshalber nicht in die Augen gucke, sind sie quasi auch nicht da und ich kann nach Herzenslust drängeln, schieben und schubsen.

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