Feuerwasser

Angefangen hatte es eigentlich, als der erste Mann mit dem Schnurrbart den zweiten Mann mit dem Schnurrbart in die Bar hatte hereinkommen sehen. Ihre Blicke trafen sich. Es war eine Art ungewollte Provokation. Der zweite Mann bewegte sich sodann geradewegs auf den bereits auf dem Barhocker sitzenden ersten Mann zu. Sie kannten sich nicht. Der Barmann erkannte die Brisanz des Augenblicks und versuchte, die Stimmung zusätzlich anzuheizen, indem er mit der Schnapsflasche ein kleines Kunststückchen aufführte, so wie es die meisten beherrschen. Es war eine Tequila-Flasche, halb leer oder halb voll.

Und so war es nicht verwunderlich, dass der zweite Mann mit dem Schnurrbart zum ersten Mann mit dem Schnurrbart sagte, dass er dort sitze wie ein kleines Mädchen und sich ganz sicher nicht auf ein Wetttrinken mit ihm einlassen würde. Dieser lachte höhnisch. Er willigte die Wette ein und schon hatte der Barmann – dem dieser Umstand sehr gelegen kam – die ersten zwei Gläser gefüllt. Sie tranken Tequila.

Die beiden hatten ein überdurchschnittliches Durchhaltevermögen, wobei sich natürlich immer die Frage stellt, was wohl im Durchschnitt vertragen werden kann. Der Sieger des Spiels sollte erwartungsgemäss jener sein, der am Schluss noch auf dem Hocker sitzt und damit ausdrücklich die Befugnis des Verlierers haben sollte, mit dessen Geld die gesamte Zeche zu bezahlen. Manchmal blieben auch ein paar Tropfen des starken Getränkes an den Schnurrbärten hängen, was der Barmann sehr lustig fand. Dieser war glattrasiert und hatte eine Haut wie ein Babypo. Was der erste Mann mit dem Schnurrbart nicht wusste war, dass sich der zweite Mann mit dem Schnurrbart so sicher war, dass er die Wette gewinnen würde, dass er gar kein Geld mit dabei hatte.

Als sie insgesamt bereits drei Flaschen weissen Tequila geleert hatten, betrat ein weiterer Mann die Bar und erschoss den zweiten Mann. Dieser fiel rücklings vom Hocker. Der Schütze, der übrigens keinen Schnurrbart trug, verliess die Bar sofort wieder.

Noch als der Barmann mit der Polizei telefonierte, um den Vorfall zu melden, bückte sich der erste Mann zur Leiche des zweiten Mannes um ihm Geld für die Bezahlung der Konsumation abzunehmen. Er fand keines. Das war für ihn sehr, sehr ärgerlich, denn eigentlich hatte er die Wette ja gewonnen.

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