Schöner Dummschwätzen

Da gibt es so Menschen, wir kennen das: Leute, die reden und reden. Wir alle haben bestimmt mindestens jemanden im Umfeld, der es einfach nicht auf den Punkt bringt. Die ersten drei Minuten sind ja noch passabel, soso lala, doch dann schweift man ab, gedanklich. Ist die Miete bezahlt, muss ich noch in die Reinigung, warum Sterben die Menschen in Somalia. Und so weiter. Dann kommt irgendwann diejenige Phase, auf die ich hier näher eingehen möchte: Man nervt sich so richtig, nervt sich über das Geplapper, das nichts-sagende Ausstossen von Luft, die Banalität. Wir möchten schreien und unterbrechen, möchten sagen „nein, das stimmt nicht, weil…“ und das Risiko eingehen, dass sich die Tortur fortsetzt und dann eine Diskussion entsteht. Die so ungerecht ist, weil der Gesprächspartner nur labert und man selbst so bemüht ist, das Thema ins richtige Licht zu rücken, den Sinn vom Nonsens zu trennen, richtig zu argumentieren, sachlich. Geht nicht. Und das braucht richtig Energie. Doch es gibt Hoffnung! In seinem – übrigens sehr empfehlenswerten – Roman „Neue Vahr Süd“ beschreibt der Autor Sven Regener eine Szene, in der im Militär der Protagonist Herr Lehmann ständig von einem Kameraden zugetextet wird mit Belanglosigkeiten. Anfänglich macht Herr Lehmann denselben Fehler, wie wir ihn wahrscheinlich auch ständig tun. Er regt sich furchtbar auf, versucht das Gespräch in eine andere, niveauvollere Richtung zu lenken. Als er merkt, dass es die Mühe nicht wert ist, dass es auch einfach keine Rolle spielt, ändert Lehmann seine Taktik: Er fährt auf der gleichen Schiene, labert also ebenfalls völligen Stumpfsinn und macht die positive Erfahrung, dass sein Kamerad sodann das Interesse verliert, mit reden aufhört und verschwindet. Ohne zu merken, was eigentlich geschehen ist. Ein guter Tipp, wirklich! Probieren Sie das aus. Ich hab’s versucht, es funktioniert!

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2 Antworten to “Schöner Dummschwätzen”

  1. gminggmangg Says:

    Ich gestehe nicht selten auch dem alten Muster zu verfallen, oder aber simpler Resignation. Allerdings vermute ich, pessimistischerweise, dass die chronischen Zulaberer spiegelbehandlungsresistent sind…

  2. Diana Says:

    Das beste ist ja, dass diese Zulaberer ja oft unter dem Vorwand anfangen zu reden, dass sie „deine Meinung hören wollen“. Ha! Weit gefehlt! Man kommt ja sowieso nicht zu Wort. Und hat man doch die Chance, in einer Sekunde des Luftholens (muss ja jeder mal) zu einem Satz anzusetzen, so wird man sofort abgewürgt.

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