Pissoir Rating #6 – Coyote Ugly, 153 First Ave., New York


In diese Bar geht man mit Sicherheit nur ein Mal. Es gibt so Orte, da gehen Sie hin und schwören sich noch im Lokal, dort nie, nie wieder einen Fuss hineinzusetzen. Kenner der Reihe Pissoir Michelin haben’s sofort bemerkt: Das ist das erste Rating mit Bild, denn ohne Beweis glaubt das vermutlich keiner. Der ziemlich bekannte Film „Coyote Ugly“ aus dem Jahre 2000 baut ja haargenau auf dieser legendären Bar auf. Der Film ist eigentlich gut, womit wir beim Problem angelangt wären: Der Film hat exakt nichts mit der Bar zu tun. Und würde dort – ich weiss das jetzt nicht so genau – eine Szene im Herrenklo spielen, so hätte das Teil garantiert gefloppt, ja, wäre vermutlich von Amnesty International verboten worden. Also, das ist natürlich nicht die ganze Wahrheit, denn etwas hat die Bar schon mit dem Film zu tun. Hin und wieder steigt eine Barmaid auf den Tresen und legt einen Tanz hin. Und das ist schon recht angenehm. Augenpflege. Dies entschädigt leider nicht für die gähnende Leere, den Mief nach Schimmel und – eben – die für anspruchsvolle Stehpinkler eher herausfordernden Toilettenanlagen. Anderswo hätte man ja getrost den Tipp geben können, die Notdurft im Freien abzuwickeln. Nicht so in Manhatten, wo man von der Polizei auf der Stelle erschossen wird beim Wildpinkeln. Na ja, sehen wir dieses Rating als Bereicherung des Pissoir Michelin, der hiermit schon so etwas wie ein kosmopolitisches Flair bekommt, einen Wind von Weltbürgertum. Will heissen, dass sich der geübte Toilettengänger sagt „hey, rizzitelli ist nicht nur so ein seichter Hochstapler in Sachen Urinal-know-how, nein, der hat sogar in Manhatten Ratings gemacht.“ Wobei die Begriffe Manhattan und Rating sicherlich mit unschönen Assoziationen verbunden sind, gedenke man an die Ratingagenturen der Finanzbranche. Auch hier kann ich beruhigen. Meine Ratings sind fundiert. Kommen wir zur Benotung: Null. Null. Doppelnull. Die Note findet auf der Skala keinen Platz, würden doch den anderen bewerteten Toiletten grosses Unrecht getan, wenn ich mich hier erdreisten würde, dieses Objekt zu benoten. Als einziger positiver Punkt lässt sich wohl sagen, dass Sie nicht lange überlegen brauchen, wenn Sie ein paar Tage nach dem Besuch der Coyote-Ugly-Toiletten mit Ekzemen, Geschwüren oder nächtlichen Panikattacken zu kämpfen haben. Oder wenn Ihnen spontan Körperteile abfallen. Fazit: Gehen Sie nur in diese Bar, wenn Sie hundertprozentig sicher sind, nicht pinkeln zu müssen. Und nur, wenn alle anderen Gebäude von New York abgebrannt sind. Und wer denkt, das WC sei nur an diesem Abend in einem so erbärmlichen Zustand gewesen, der irrt: Es war alle beide Male so, als wir da waren.

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2 Antworten to “Pissoir Rating #6 – Coyote Ugly, 153 First Ave., New York”

  1. schweizerkrieger Says:

    Ein angenehmes H… WC, würde in der Not sicher keine Frau benutzen. Wie haben also ruhe. Da sie immer versuchen auf unser Klo zu kommen. Um die langen Wartezeiten auf der Damen Toilette zu vermeiden.

  2. NY-Tiger Says:

    I’ve been there… und hätte es nicht treffender schreiben können 😉
    Da man(n) in diesem Lokal grundsätzlich bzw. im Normalfall aber keine Milch trinkt, sollte der „Ekel“ spätestens nach der zweiten Tanzrunde der Girls vergangen sein…. ;-))

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